New Work ist andauerndes Neuland

Vor zwei Wochen durfte ich mir eine Diskussionsrunde zum Thema New Work in Hamburg ansehen. Während ich der Konversation lauschte, fielen mir zwei Punkte auf, die sich für mich wie ein roter Faden durch fast alle Bereiche der digitalen Transformation ziehen:

  1. Die Diskutierenden tauschten sich locker über ihre Erfahrungen aus. Dabei fielen ständig Sätze wie „Wir probieren gerade das aus.“ „Ah, da haben wir vor einem halben Jahr mit experimentiert. Dadurch sind wir gerade an diesem anderen Punkt.“ usw. Schnell wurde klar, dass wenn sie sich in drei Monaten wieder treffen würden, sie wieder neue Erfahrungen auszutauschen hätten. Neue Arbeitsformen sind keine Konzepte, die man einmal findet und dann auf Dauer eingeführt hat. Vielmehr ist New Work ein konstanter Prozess, in dem das Ausprobieren und Anpassen nie aufhört – andauerndes Neuland eben.
  2. Hier tat sich auch ein großer Graben zwischen den erfahrenen New Workern auf der Bühne und dem interessierten, aber unerfahrenen Publikum auf, das immer wieder nach der richtigen Lösung fragte und immer nur einen Zwischenstand als Antwort bekam. Man merkt den meisten Menschen fast sofort an, wenn sie nur die Theorie von New Work kennen. Das Vokabular (agil, Holocracy, Fehlerkultur usw.) beherrschen sie schon. Aber die Art, wie sie darüber reden zeigt, dass sie noch keine praktischen Erfahrungen gesammelt haben.

Deswegen hoffe ich, dass das Publikum aus dieser Diskussionsrunde das gleiche mitgenommen hat, was wir unseren Kunden auch immer raten: einen Tanker lenkt man am einfachsten, wenn er in Bewegung ist.

Fachkräftemangel vs. Automatisierung

Während von den Konferenzen bis zu den Feuilletons über die Automatisierung diskutiert und immer häufiger die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens gefordert wird, verkündet die Kanzlerin am Wochenende, dass sie bis 2025 die Vollbeschäftigung – Arbeitslosenquote unter 3 Prozent – erreichen möchte (und nimmt einmal mehr der SPD die Butter vom Brot).

Obwohl heute der Arbeitsmarkt vom ständig zunehmenden Fachkräftemangel geprägt ist, erwarten wir übermorgen die AI-getriebene Arbeitslosigkeit. Mich fasziniert diese temporale Blackbox, für die wir annehmen, dass sie irgendwann der Dynamikwechsel produziert. Sie ist ein hilfreiches Vehikel, um Thesen zur Zukunft der Arbeit zu entwickeln. Vielleicht enthält sie z.B. viele neue Jobs, deren Aufgabe es ist Algorithmen auf bestehende Jobs zu trainieren…

Interview im Nomad Magazin

nomad doppelseite johannes kleske

Nomad versteht sich als Magazin für New Design Culture, Business Affairs & Contemporary Lifestyle. In der aktuellen Ausgabe #3 gibt es ein ausführliches Interview mit mir zur Digitalen Transformation und den Zukünften der Arbeit.

Nomad gibt es auf Deutsch und auf Englisch. Kaufen könnt ihr das Magazin in jedem gut sortierten Zeitschriftenladen, insbesondere an Bahnhöfen und Flughäfen. Oder einfach online bestellen.

nomad magazin ausgabe 3 cover

Ein Auszug

Nomad: Sind wir als globale Gesellschaft gegebenenfalls an der Stelle, die womöglich jeder grundlegende Wandel für eine Gesellschaft mit sich brachte, an der wir uns eingestehen müssen, dass nicht alles richtig sein kann, was geht? Wie könnte man den Nutzen der Digitalisierung für die Menschen positiv gestalten?

„Interview im Nomad Magazin“ weiterlesen

Filtrat KW 08/15 – Maschinenarbeit

Inspiriert von Matt Webb und Michael Sippey, probiere ich ein neues Format aus: „Start a new draft post on Monday, dump things in it over the week, rewrite and cull along the way, what’s left gets published on Friday.“

1.

Ein Artikel über die Zukunft von autonomen Autos, der das Wiener Übereinkommen nicht erwähnt, ist aus meiner Sicht unglaubwürdig.

Artikel 8, Absatz 1:

Jedes Fahrzeug und miteinander verbundene Fahrzeuge müssen, wenn sie in Bewegung sind, einen Führer haben.

Neue Assistenzsysteme auf dem Weg zu autonomen – d.h. nicht mehr vom Fahrer gesteuerten – Auto werden auch weiterhin stark zunehmen. Aber der Zeitpunkt, an dem der Fahrer eines Autos nicht mehr in der Lage sein muss jederzeit einzugreifen zu können, ist noch sehr, sehr weit weg. Nicht aus technischen, sondern aus rechtlichen Gründen. „Filtrat KW 08/15 – Maschinenarbeit“ weiterlesen

Arbeiten im Stehen

Untitled

Es gibt zwei Themen, bei denen ich mich immer gefragt habe, wie viel Studien ich über die positiven Effekte noch lesen muss, bevor ich sie endlich angehe. Das eine ist Meditation. Dazu ein andermal mehr.

Das andere ist Arbeiten im Stehen, dass wir letzte Woche im Büro angegangen sind. Mehr dazu in der Week Note 164.

Webperlen vom 23.10.2013

Links und Artikel, die ich interessant finde. Alle Links auch auf Pinboard.

Innerlich gekündigt

Wir beschäftigen uns bei Third Wave gerade unter anderem mit dem Thema ‚Zukunft des Publishings.‘ Eines der faszinierenden Unternehmen in dem Bereich ist BuzzFeed aus New York. Wer sich inspirieren lassen möchte, wie ein Unternehmen heute im Web erfolgreich Inhalte produzieren und monetarisieren kann, sollte sich den Vortrag von BuzzFeed-Chef Jonah Peretti beim Changing Media Summit ansehen. Die interessantesten Aussagen von ihm, haben wir auf unserem Firmenblog festgehalten.

Während ich den Vortrag angeschaut habe, sind mir direkt am Anfang zwei Aussagen aufgefallen, die mich zusammengenommen, stutzig gemacht haben:

  • BuzzFeed hat 40 Millionen Besucher im Monat.
  • Ihre Kernzielgruppe fällt in die Kategorie „Bored at work.“ Peretti beschreibt diese Gruppe mit „Die Hälfte des Tages arbeiten sie und die andere Hälfte sind sie im Web unterwegs, schicken sich Nachrichten usw.“

Zusammengenommen bietet sich für mich einmal mehr ein Bild einer riesigen Arbeitnehmerschaft, die, wie man in Deutschland gerne sagt, „innerlich gekündigt“ hat. „Innerlich gekündigt“ weiterlesen

Arbeiten in Bewegung

Ich wurde vor ein paar Monaten gefragt, ob ich für ein Magazin ein paar Tipps für das Arbeiten unterwegs zusammenstellen könnte. Da diese Tipps nie erschienen sind, veröffentliche ich sie nun hier. Nicht wirklich was neues dabei. Mehr eine kurze Sammlung von Erfahrungen. „Arbeiten in Bewegung“ weiterlesen