Die Gefahren der Gig Economy

Gründermetropole Berlin hat mich zu meinem Republica-Vortrag interviewt. Bei der Gelegenheit habe ich noch mal meine Kernkritikpunkte an der Gig Economy zusammen gefasst.

Welche Gefahren stecken für Dich in „On demand“ bzw. „Sharing Economy“?

Die Gefahren dieser „On-Demand-Economy“ erkennt man recht einfach, wenn man schaut, warum z. B. Uber-Fahrer streiken. Fangen wir mal mit dem bereits erwähnten Punkt an, was passiert, wenn der Chef plötzlich kein Mensch sondern eine App bzw. ein Algorithmus ist. Keine Diskussionen oder Erklärungen mehr. Der Algorithmus beauftragt, prüft, belohnt oder bestraft. Das kann schnell kritisch werden, wenn von der Qualität des Algorithmuses das Einkommen abhängt.

Ein zweite Gefahr hat Simon Head in seinem Buch „Mindless. Why Smart Machines are Making Dumber Humans“ als „Corporate Panopticon“ bezeichnet: das konstante Überwachen des Arbeiters durch die App oder andere Sensoren. Dabei liegt das Problem insbesondere in der Einseitigkeit dieser Beziehung. Der Arbeiter wird konstant überwacht, während er keinerlei Einsicht in die Funktionsweise des Algorithmuses und des Verhaltens der Plattformbetreiber hat.

All diese Punkte sind auch nicht verhandelbar, weil in der „On-Demand-Economy“ Nutzungsbedingungen bisherige Arbeitsverträge ersetzen. Es gibt keine Verhandlungen, man kann nur zustimmen oder nicht mitmachen. Es gibt für die Arbeiter keine Absicherung, keine Weiterentwicklung und auch keine Versicherung. Sie fungieren wie Angestellte, haben aber Verpflichtungen wie Selbstständige. Alle Verantwortung wird auf sie abgewälzt.

Das komplette Interview findet sich hier. Das Interview mit Florian Schmidt zu den Negativfolgen des Crowdworking sollte man sich auch ansehen.

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