Dafür habe ich die doch nicht gewählt

Letzten Sommer habe ich, wie so einige, Rückkehr nach Reims von Didier Eribon gelesen. Darin beschreibt er, wie er zu seiner Familie aus dem Arbeitermileau zurückkehrt, nachdem er sich vor viele Jahren abgewendet und ins intellektuelle Milleau gewechselt war. Das Buch hat letztes Jahr viel Aufmerksamkeit bekommen, weil Eribon sich damit beschäftigt, warum seine Familie, die zeitlebens links gewählt hat, nun dem Front National ihre Stimme gibt.

Eine Stelle ist mir besonders in Erinnerung geblieben und ich erinnere mich derzeit immer wieder an sie, wenn versucht wird mit alter Logik den Zuspruch der rechten Parteien zu verstehen.

Als ich meine Mutter darauf ansprach, dass sie mit ihrer Stimme eine Partei unterstütze, die gegen das Recht auf Abtreibung kämpfte (obwohl sie, wie ich wusste, schon einmal abgetrieben hatte), antwortete sie mir nur: »Das ist was anderes, dafür habe ich die doch nicht gewählt.«

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