Johannes Kleske

Zukünfte verstehen und gestalten

Kategorie: Artikel

  • Zukünfte anders erzählen –Warum Worte Welten verändern

    Zukünfte anders erzählen –Warum Worte Welten verändern

    Das ist mein Beitrag vom Science Slam in Karlsruhe am 24. Januar 2025.

    Die autofreie Stadt … ist eine negative Zukunft!

    Na toll, noch so ein SUV-fahrender Benzin-Junkie. Ja, richtig: Ich bin’s, Christian Lindner! Nein, ich bin eigentlich eher grün, wohne im Prenzlauer Berg und habe erst letztes Jahr meinen Führerschein gemacht. Ich bin ein großer Fan davon, Autos aus unseren Städten zu verbannen. Aber ich bleibe dabei: Die autofreie Stadt ist eine negative Zukunft. Das habe ich vor fünf Jahren gelernt.

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  • Angela Merkels Mindset – Was ihre Biografie über Deutschlands Gegenwart verrät

    Angela Merkels Mindset – Was ihre Biografie über Deutschlands Gegenwart verrät

    Ich gebe zu: Als Angela Merkels Autobiografie erschien (Übersicht der Rezensionen), war ich zunächst skeptisch. Als jemand, der ihre Politik oft kritisiert und ihre Partei nie gewählt hat, hatte ich wenig Interesse an einer weiteren politischen Rechtfertigungsschrift. Was mich zur Lektüre bewegte, war reine Neugier: Wie denkt eine Frau, die 16 Jahre lang als „mächtigste Frau der Welt“ zentrale Rollen in nahezu allen großen Krisen innehatte? Welche Einblicke würde sie in die Prozesse und Entscheidungen geben, die unser aller Leben geprägt haben?

    Doch je tiefer ich in das Buch eintauchte, desto faszinierender wurde es. Aus einem völlig unerwarteten Grund.

    Angela Merkels Autobiografie ist weit mehr als die Erinnerungen einer ehemaligen Bundeskanzlerin. Sie ist ein Zeitdokument, das Einblicke in eine Geisteshaltung gewährt, die Deutschland und seine Institutionen in den letzten zwanzig Jahren geprägt hat. Und bis heute prägt. Eine Haltung, die angesichts der aktuellen globalen Herausforderungen an ihre Grenzen stößt.

    Die perfekte Managerin

    Was bei der Lektüre immer deutlicher wird, ist das Denken einer perfekten Managerin. Mit ihrem naturwissenschaftlichen Hintergrund analysiert Merkel jede Situation präzise und methodisch. Bemerkenswert ist ihre Fähigkeit, Kritik an ihren Entscheidungen klar zu benennen: Sie weiß genau, was ihre Gegner ihr vorwerfen, und argumentiert messerscharf, warum sie dennoch diesen und keinen anderen Weg gewählt hat.

    Ihr ganzes Vorgehen basiert auf einem fast unerschütterlichen Glauben an Prozesse und Regeln. Nicht zufällig zählt „Regeln“ zu den häufigsten Begriffen in ihren Memoiren. Für Merkel sind sie die unverrückbare Grundlage jeder Interaktion, sei es in der nationalen Politik oder in der internationalen Diplomatie. Ein einmal geschlossener Vertrag muss eingehalten werden, unabhängig davon, ob er noch zeitgemäß ist. Verlässlichkeit steht über allem.

    Je länger ich las, desto klarer wurde mir: Hier offenbart sich eine Denkweise, die weit über Merkel hinausgeht. Eine Mentalität, die sich wie ein roter Faden durch die deutschen Führungsetagen zieht, von der Politik bis in die Konzernzentralen.

    Die Grenzen des Systems

    Genau hier zeigt sich die Schwäche dieses Denkens: Es hat keine Antwort auf eine Welt, in der sich andere Akteure nicht mehr an die Regeln halten. Wo ein Putin internationale Verträge bricht oder ein Trump etablierte diplomatische Prozesse ignoriert, versagt der Glaube an die Macht von Regeln und Kompromissen. Merkels Autobiografie legt diese Grenze unfreiwillig offen: Sie analysiert das Handeln dieser Akteure präzise, bleibt aber ohne strategische Antwort. Ohne ein eigenes Zukunftsbild.

    Besonders deutlich wird das in ihrer Schilderung der Begegnung mit Greta Thunberg und Luisa Neubauer. Als erste „Klimakanzlerin“, die als junge Umweltministerin die erste COP-Konferenz 1995 in Berlin leitete, versteht Merkel die wissenschaftlichen Argumente der Klimaaktivistinnen gut. Sie kann deren Kritik eins zu eins nachvollziehen. Ihre einzige Antwort bleibt: Sie müsse Mehrheiten organisieren.

    Diese Szene offenbart den blinden Fleck: Es fehlt der Wille, vom Ende her zu denken. Die Frage „Wie soll Deutschland übermorgen aussehen, und was kann ich heute tun, um dafür morgen Mehrheiten zu haben?“ kommt in Merkels Denken nicht vor. Der Handlungshorizont beschränkt sich auf das, was im Hier und Jetzt mehrheitsfähig erscheint. Reagieren statt Gestalten.

    Das Erbe wirkt nach

    Dieses Denken reicht weit über Merkels Kanzlerschaft hinaus. Die deutsche Automobilindustrie hat es jahrelang vorgemacht: Prozesse optimieren, Bestehendes verwalten, den Wandel zur E-Mobilität so lange wie möglich als beherrschbares Risiko behandeln. VW investierte nach Dieselgate zwar auch in Elektroantriebe, blieb aber mit dem Schwerpunkt beim Verbrenner, während Tesla in Grünheide eine Fabrik hochzog. Das Problem war nicht Ignoranz, sondern zu langsame Umsetzung. Als die Konzerne ernsthaft umschwenkten, hatten andere die Spielregeln bereits neu geschrieben.

    In der Politik zeigt sich dasselbe Muster. Ein Blick in die Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl offenbart eine erstaunliche Kontinuität Merkel’schen Denkens. Hier etwas mehr Geld für bestimmte Gruppen, dort strengere Regeln für andere. Antworten aus der Vergangenheit auf die Herausforderungen der ZukunftGegenwart.

    Die Kluft zwischen diesen Antworten und der gesellschaftlichen Realität könnte kaum größer sein. In Betrieben, Vereinen und Nachbarschaften diskutieren die Menschen über die Umbrüche unserer Zeit: Was, wenn die Wirtschaftsflaute nicht vorübergehend ist, sondern den Beginn einer strukturellen Krise markiert? Die Wiederwahl Trumps, die KI-getriebene Transformation der Arbeitswelt, die Neuordnung globaler Machtverhältnisse. Die Menschen spüren, dass sich etwas Grundlegendes verschiebt. Die Politik traut sich nicht einmal, die richtigen Fragen zu stellen.

    Von Visionären überrollt

    Während die deutsche Politik Prozesse optimiert, tritt eine andere Art von Akteur in den Vordergrund: Visionäre wie Elon Musk, deren Handeln von radikalen Zukunftsbildern geprägt ist. Musk ist überzeugt, dass die Menschheit ihren Fortbestand durch interplanetare Expansion sichern muss, und gestaltet sein Leben und seine Unternehmen konsequent um dieses Ziel herum. Dass er dabei demokratische Prinzipien und gesellschaftliche Normen beiseite wischt, gehört für ihn zum Programm.

    Und genau hier wird die Schwäche des Merkel-Erbes sichtbar. Einer Politik, die auf Verlässlichkeit und Mehrheiten setzt, fehlt die Sprache, um solchen Akteuren etwas entgegenzusetzen. Die typische Reaktion? Moralische Empörung. „Übergriffig“, „anmaßend“. Daran ist nichts falsch, aber es reicht nicht. Empörung ist kein Zukunftsbild. Wer Musks Narrativ etwas entgegensetzen will, braucht ein eigenes.

    Gestalten statt Verwalten

    Merkels Autobiografie hat mich zu einer Frage gebracht, die mich seither nicht mehr loslässt: Was wäre eine demokratische Vision, die ambitioniert genug ist, um mit den radikalen Zukunftsbildern eines Musk oder den rückwärtsgewandten Entwürfen eines Trump mitzuhalten?

    Auf LinkedIn wurde ich genau das gefragt. Meine Antwort hat zwei Teile.

    Erstens: Wir brauchen plastische Zukunftsbilder statt abstrakter Schlagworte. Eine Vision wird erst kraftvoll, wenn sie unseren Alltag im Detail beschreibt. Wie sieht ein typischer Tag in einer Gesellschaft aus, die ökologische und soziale Grenzen vereint? Initiativen wie Doughnut Economics oder Bürger*innenversammlungen wie der Klimarat zeigen, dass solche konkreten Bilder entstehen können, wenn man den Raum dafür schafft. Erst wenn wir uns dieses Leben vorstellen können, wird die Energie freigesetzt, es wahr werden zu lassen.

    Zweitens: Wir müssen vom Ende her denken. „Was wäre, wenn …“ statt „Wie lösen wir das Problem?“ Welche Zukunft wollen wir? Und welche Schritte können wir heute unternehmen, um sie wahr werden zu lassen? Das klingt einfach. In der Praxis ist es das Gegenteil von allem, was das Merkel-Mindset auszeichnet.

    Das Merkel-Mindset hat ausgedient. Nicht weil es falsch war, sondern weil sich die Welt verändert hat. In einer Zeit, in der Autokraten und Tech-Milliardäre die Spielregeln neu schreiben, reicht Prozessoptimierung nicht mehr. Plastische Zukunftsbilder und proaktives Denken: Das sind für mich die Schlüssel zu einer Vision, die nicht nur inspiriert, sondern mobilisiert.

  • Zukunftsorientierung: Wie unbewusste Narrative die Organisation prägen

    Zukunftsorientierung: Wie unbewusste Narrative die Organisation prägen

    Vor kurzem habe ich mit dem Management-Board eines etablierten Versicherungsunternehmens zusammengearbeitet, das davon überzeugt war, dass seine Organisation keine Zukunft hat. Ihre Branche veränderte sich rapide und sie sahen sich als Verwalter eines unvermeidlichen Niedergangs. Doch nachdem sie die Herausforderungen der Zukunft in ihrem Bereich analysiert und mit den Stärken ihrer Organisation abgeglichen hatten, geschah etwas Bemerkenswertes: Ihre Perspektive änderte sich um 180 Grad. Sie entdeckten nicht nur Möglichkeiten, zu überleben, sondern auch, etwas zu bewegen und zu wachsen. Dieser dramatische Wandel in der Zukunftsorientierung ist nicht auf veränderte Marktbedingungen oder die Entwicklung neuer Kompetenzen zurückzuführen, sondern auf eine bewusste Auseinandersetzung mit Zukunft und der Art und Weise, wie sie in der Organisation genutzt wird.

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  • Sorry, aber das ist kein Trendreport

    Sorry, aber das ist kein Trendreport

    Wenn sich das Jahr dem Ende neigt, erleben wir ein vertrautes Ritual: Die Veröffentlichung unzähliger Trendreports, die uns die Zukunft des kommenden Jahres erklären wollen. Mit mechanischer Regelmäßigkeit werden die aktuellen Buzzwords durchdekliniert – von Künstlicher Intelligenz über New Work bis zum Metaverse. Doch in dieser Flut von Zukunftsprognosen stellt sich eine grundsätzliche Frage: Was unterscheidet eigentlich einen echten Trendreport von einem elaborierten Marketinginstrument?

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  • Markenresilienz durch Zukunftsnarrative

    Markenresilienz durch Zukunftsnarrative

    Am 4. Dezember 2024 hatte ich die Gelegenheit, bei einem Webinar zum Thema „Marken im Sturm“ mitzuwirken. Gemeinsam mit meinem alten Weggefährten Gerald Hensel von Superspring, Markus Mayr von Storypark und Lars Niggemann von PREVENCY diskutierten wir, wie Unternehmen ihre Markenresilienz in einer zunehmend volatilen Welt stärken können.

    Mein Fokus lag dabei auf einem Aspekt, der in Diskussionen um Markenresilienz oft übersehen wird: die Rolle von Zukunftsnarrativen.

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  • Mit Ungewissheit umgehen, Zukünfte gestalten

    Kürzlich hatte ich das Vergnügen, im WB-40-Podcast mit Matt Ballantine und Julia Bellis über einige der drängendsten Fragen zu sprechen, mit denen sich Organisationen heute konfrontiert sehen: Wie können wir uns in einer ungewissen Zukunft orientieren? Welche Rolle spielen unsere gemeinsamen Erzählungen bei der Gestaltung der Wege, die vor uns liegen? Und wie können wir proaktiv Strategien entwickeln, um in der Komplexität zu gedeihen?

    Das Gespräch, das durch eine kürzliche Begegnung mit Matt auf dem Speakery Summit angeregt wurde (Es ist alles Marcus‘ Schuld), berührte eine Reihe miteinander verbundener Themen – von der subjektiven Natur der Unsicherheit bis hin zur Kraft kollektiver Visionen für die Zukunft. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse aus unserem Gespräch

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  • Entkoffeinierte Kaffeebohnen – Die Besten für Filter

    Entkoffeinierte Kaffeebohnen – Die Besten für Filter

    Entkoffeinierte Kaffeebohnen haben in den letzten Jahren enorm an Qualität gewonnen.

    Wie werden Kaffeebohnen heute entkoffeiniert?

    Dieses Video von James Hoffmann erklärt gut die verschiedenen Decaf-Methoden, die derzeit verwendet werden:

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