Filtrat 33/2015 – Slumdesign, Soundcloud, Amazon und feige Politiker

1.

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Want to design the future of slums? Seeking a Creative Director partner at Utopia, a new design firm for slums. https://t.co/OTwAv1L2l2

— Jonathan Hursh (@jonhursh) August 11, 2015

Ich hoffe ja immer noch, dass das eine großartige Satire ist. Aber der Mann und sein neues Unternehmen Utopia – Slums 2.0, City Slums Strategies und SLUMLabs – scheinen das ernst zu meinen. Der Neoliberalismus macht vor nichts halt und Design Thinking bietet das passende Vokabular.

2.

Saved to your collection: navigating SoundCloud’s subculture

No matter how accessible use of the social web’s tools may become, ownership of the underlying infrastructure of these platforms sits not in the hands of its users, but in the hands of companies whose interests lie in extracting value from users’ productivity.

Gilt genauso für andere Plattformen mit vielfältigen Subkulturen (Bsp. Tumblr). Ich frage mich allerdings, ob das nicht eine eher nostalgische Sicht auf diese Themen ist und die (häufig jüngeren) Gruppen nicht sehr bewusst mit dieser Kommerzialisierung ihres persönlichen Ausdrucks umgehen bzw. es einfach Teil dessen ist. So nach der Art „Don’t own the means, infiltrate them.“

3.

Die große Story am Wochenende zum Thema Arbeitskultur kam von der NY Times und beleuchtete die Gepflogenheiten bei Amazon. Mich haben vor allem einmal mehr die Reaktionen fasziniert, weil sich an ihnen gut die unterschiedlichen Ethiken im Umgang mit Angestellten und Mitarbeitern ablesen lassen.

Leider wenig überraschend ist es einmal mehr Silicon Valley, dass sich geradezu wundert, was denn das Problem mit den in den Artikel aufgezeigtem Verhalten wäre.

Auch diese Verteidigung eines Amazonmanagers zeigt eher eine kognitive Dissonanz zwischen seiner eigenen Wahrnehmung und der Möglichkeit, dass andere das ganz anders erleben.

Das Ganze wird von Amazon-Chef Bezos auf die Spitze getrieben, wenn er in einer Mitarbeiter-Memo zu dem Artikel schreibt:

The article doesn’t describe the Amazon I know…

Entweder weiß Bezos nicht, was in seinem Unternehmen vorgeht oder behauptet das zumindest. Für einen Micromanager wie ihn ist das aber eher unwahrscheinlich. Ich glaube eher, dass es wie ein kognitiver Schock für ihn ist, dass die Arbeitskultur, die er geschaffen hat, so interpretiert werden kann, wie es die NY Times macht. Diese Unfähigkeit sich vorzustellen, was ihr Vorgehen für Konsequenzen für Menschen außerhalb ihrer Blase haben könnte, gehört zu den Kernproblemen, die ich mit Silicon Valley und einem Großteil der Startup-Szene habe.

4.

The behaviour of the British and wider European elite towards migrants is not simple inhumanity. It is strategic inhumanity.

Laurie Penny argumentiert im New Statesman, dass nicht Immigration unser Problem ist, sondern der Faschismus, der mit dem Feindbild ‚Flüchtling‘ bewusst gefördert wird.

5.

Lieber Politiker: Worauf wartest Du heute? Dein Schweigen ist unerträglich laut. Was muss noch passieren, bis Du etwas sagst?

Dementsprechend wütend ist Friedemann Karig und fordert die deutschen Politiker auf, endlich den Mund aufzumachen.

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