Hatch – Sticker-Museum, -Mailorder und -Community


Alle Aufkleber-Enthusiasten sollten sich mal hatch ansehen. Die haben mit der Unterstützung von carhartt und anderen in Berlin ein kleines Museum für Sticker gestartet. Dazu kommt noch die Webseite mit einem Mailorder (die Sticker selbst sind kostenlos, nur den Versand muss man berappen) und eine Community. Wirkt alles noch frisch gestrichen, aber vielversprechend.

José Parlá

At Work
Ich nehme das aktuelle Interview mit José Parlá und Futura von Beinghunted.com mal zum Anlass, euch ein bisschen mehr Material von Parlá zu zeigen, der auf meiner persönlichen Top-Street/Urban-Art-Liste gerade ganz vorne vor Jeremy Fish und Shepard Fairey rangiert (Futura spielt eh in seiner eigenen Liga).

  • Ausführliche Videointerviews mit Parlá und Futura gibt’s bei blag.
  • CoolHuntingVideo mit Parlá
  • Bilder von einer Ausstellung mit Parlá und Futura in London

Meine Top10 Urban Art/Streetculture Websites

Das sind meine Anlaufstellen für die tägliche Dosis Straße, Kunst, Design, Style und Flash. Falls hier was auftaucht, was gut aussieht, dann ist es meist aus diesen Quellen:

  1. Wooster Collectiv
    Definitiv die Nummer eins, was urbane Kunst angeht. Was ich bei Wooster besonders mag ist, dass es nicht einfach eine riesige Sammlung von Streetart-Bildern ist. Sarah und Marc, die Betreiber wählen genau aus, was sie veröffentlichen. Außerdem erzählen sie immer wieder von Künstlern und ihren Reisen. Ich stehe auf diesen persönlichen Einblick in die Streetartszene.
  2. Josh Spear
    Josh Spear und seine Coautoren haben einen ungemein guten Geschmack und einen beeindruckenden Riecher für cooles Zeug aller Art.
  3. DorkMag
    Ein blogmässig aufgebautes Webmagazin mit guten Texten und guter Auswahl.
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  4. SuperTouchBlog
    Jamie O’Shea und Co berichten so ausführlich wie niemand sonst über Ausstellungen und Galerien auf der ganzen Welt.
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  5. Inquiringmind Magazine
    Die Kanadier haben definitiv das schönste Interface aller Webmagazine.
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  6. The Hundreds
    Ich stehe ja nicht wirklich auf die Styles im aktuellen Streetwear Hype. Bunt ist einfach nicht mein Ding. Wie Bobby und seine Freunde in ihrem Blog allerdings ihren Lebensstil vermitteln inspiriert mich immer wieder für mein eigenes Blog. This is our life, and we fucking love it!
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  7. Jeff Staple
    Jeff Staple ist für mich als Designer und Geschäftsmann eine massive Inspirationsquelle. Er hat sich komplett sein eigenes Ding aufgebaut. Sein Blog lese ich wahrscheinlich aber nur, weil ich neidisch auf seinen Lebensstil bin. Ähnlich wie The Hundreds vermag Jeff diesesn ausgezeichnet zu vermitteln.
  8. Fecal Face SF
    Auch wenn dieses Kunstmagazin sich hautpsächlich auf San Franzisko konzentriert macht es dies jedoch in einer unvergleichlichen Intensität. Studiobesuche, Videos, Interviews, Features. Alles am Start.
  9. Format Magazine
    Format ist immer wieder mit guten Themen dabei, wie aktuell die Frauen-Features.
  10. Razor Apple
    Ganz frisch in meinem Feedreader. Konzentriert sich auf NY.

Jetzt seid ihr dran. Was sollte ich unbedingt noch in meinen Feedreader/meine Bookmarks aufnehmen? Und kennt ihr vergleichbare Blogs/Webmags in DE?

Karlsruhe – DIY Kultur, Kunst und Style

Neulich irgendwo bei nem Typen gelesen, wie scheiße er Karlsruhe findet. Konnte die Aussage irgendwie nachvollziehen. Wurde ja im letzten Jahr gut von Berlin verführt und hab doch hin und wieder mal mit dem Gedanken gespielt, wie es wäre dort zu leben. Günstige Lebensbedingungen, ohne Ende Zeug am Start, verdammt viel kreative Lebenseinstellung etc. Karlsruhe fühlt sich für mich häufig wie das genaue Gegenteil an.

Ich hab ihm dann folgendes geantwortet:

Ich kann deine Abneigung gegen Karlsruhe gut verstehen. Ich bin selbst vor knapp zwei Jahren hergezogen und konnte mich mit der Stadt bisher nie wirklich anfreunden. Zu konservativ, zu bürgerlich, zu intolerant und zu unkreativ. Konnte mir bisher kaum vorstellen, dass ich mich hier je wohlfühlen könnte. Also stand ich vor der Entscheidung dahin zu ziehen, wo was geht und mich ins gemachte Nest zu setzen oder hier bei meinen Leuten bleiben und gemeinsam selbst was aufbauen. Ich finde den DIY-Ansatz* viel spannender, deswegen blieb ich und bin Teil des Kollektivs geworden, das unter anderem das NUN gestartet hat. Meine These ist halt, dass wenn es einer Stadt an Kultur fehlt, dann gib ihr Kultur. Wenn einer Stadt an Style fehlt, dann gib ihr Style. Wenn eine Stadt in Bürgerlichkeit versinkt, dann gib ihr Dinge, die sie hinterfragt. Ich kann über eine Stadt meckern, motzen und maulen. Oder ich kann anfangen, mein eigenes Ding zu machen und nen Fick darauf geben, was andere dazu sagen. Das ist meine Idee hinter dem NUN.

Ist schon spannend zu sehen, was passiert, wenn man einfach mal macht. War z.B. ziemlich beeindruckt, wieviele Leute gestern zum Kurzfilmabend im NUN aufgetaucht sind. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es in Karlsruhe ohne Ende derbe Leute hat, die irgendwie darauf warten, dass irgendwer „Los“ sagt.

Ich frage mich das echt immer wieder: Wieviel Einfluss kann man nehmen, um eine Stadt kultur-/stylemäßig voranzubringen? Kann man als Kollektiv soviel Momentum erzeugen, dass andere angesteckt werden? Was ist das Maß an Inspiration, das es braucht, um andere dazu zu bewegen, den Arsch hochzukriegen und was eigenes anzufangen? Inwiefern hat man als Gruppe Möglichkeit, die emergenten Prozesse einer Stadt oder eines Viertels zu fördern?

Wenn ich mir z.B. Fecal Face ansehe, die als Onlinemagazin die Kunstszene in San Franzisko begleiten, will ich sofort das gleiche für Karlsruhe machen. Nur frage ich mich dann, mit was man das denn bitte füllen soll und lass es dann. Aber vielleicht ist das die falsche Denkweise. Vielleicht braucht es gerade so ein Magazin, um urbane Kunst erst in die Köpfe zu bringen. Kann sein, dass man mit dem Magazin für Karlsruhe nur mit zwei Artikeln starten kann**. Aber was, wenn einer die Artikel liest, inspiriert wird und plötzlich selbst den Pinsel in die Hand nimmt, dann der nächste Artikel über ihn geschrieben wird, den liest wieder jemand usw.
Find’s schon spannend zu sehen, was z.B. mit Streetart in Karlsruhe geht. Als ich hierher zog, gab’s praktisch gar nichts. Inzwischen macht es richtig Spaß durch die Straßen zu gehen und überall Zeug zu entdecken. Einer hat angefangen, andere haben’s gesehen, waren inspiriert und haben angefangen eigenes Zeug zu machen.

Berlin hat seinen Reiz, ohne Zweifel. Aber ich find’s spannender mich nicht ins gemachte Nest zu legen, sondern mein Nest selbst zu bauen, insbesondere wenn ich dadurch den allgemeinen Nestbau in meinem Umfeld mitprägen kann (um das Bild mal völlig zu überziehen).

Um es mit Jan Delays auszudrücken:

Als Kartoffel
Da sollte man in ner Stadt leben
Weil hier die Zutaten sind, die einem Geschmack geben
[…]
Gib mir: Gutes Radio, gutes Fernsehen, gute Mode,
Gutes Essen, gute Clubs
Und ein paar fähige Idole
Gib mir das alles, Digger
Und wir könnten wetten:
In 20 Jahren mach ich dir aus Bielefeld Manhatten

„Mercedes Dance“ (Jan Delay)

Nachdem ich das oben geschriebene noch mal durchgelesen habe fällt mir auf, dass es mir gar nicht so auf die Kunstwerke selbst ankommt, sondern vielmehr auf ein Umfeld von entspannten, kreativen, freundlichen, inspirierenden, nachdenklichen Leuten, mit denen man sein Leben teilt. Ich bin gerade so geflasht von all den Leuten, die wir über’s NUN kennenlernen. Ich liebe es mit denen nen Kaffee zu trinken und dabei immer häufiger „Lass uns doch…“ oder „Man müsste mal…“ zu hören. So fängt’s an…

Nachtrag: Nur damit das hier niemand in den falschen Hals bekommt. Es ist nicht so als würde in Karlsruhe gar nichts gehen. ZKM und HfG sind nicht die einzigen, die dafür sorgen, dass beständig mehr geht 😉

* DIY = Do it yourself
** Übertreibung zwecks Dramatik