Filtrat KW 08/15 – Maschinenarbeit

Inspiriert von Matt Webb und Michael Sippey, probiere ich ein neues Format aus: „Start a new draft post on Monday, dump things in it over the week, rewrite and cull along the way, what’s left gets published on Friday.“

1.

Ein Artikel über die Zukunft von autonomen Autos, der das Wiener Übereinkommen nicht erwähnt, ist aus meiner Sicht unglaubwürdig.

Artikel 8, Absatz 1:

Jedes Fahrzeug und miteinander verbundene Fahrzeuge müssen, wenn sie in Bewegung sind, einen Führer haben.

Neue Assistenzsysteme auf dem Weg zu autonomen – d.h. nicht mehr vom Fahrer gesteuerten – Auto werden auch weiterhin stark zunehmen. Aber der Zeitpunkt, an dem der Fahrer eines Autos nicht mehr in der Lage sein muss jederzeit einzugreifen zu können, ist noch sehr, sehr weit weg. Nicht aus technischen, sondern aus rechtlichen Gründen.

2.

Justice for “Data Janitors” hat für mich einige wichtige Aspekte zusammen gefasst, in welche Richtung sich das ganze Thema technologiebedingte Arbeitslosigkeit entwickelt. Wenn mein Sessionvorschlag angenommen wird, werde ich auf der rp15 einen Folgevortrag zu ‚Das Ende der Arbeit‘ halten.

Kernthese:

Maschinen machen uns nicht arbeitslos, sie werden unsere Chefs. Uns werden dann häufig nur noch die Jobs bleiben, für die sich die Maschinen zu schade oder wir einfach günstiger sind. Es wird Zeit für eine neue, digitale Arbeiterbewegung.

Mehr dazu auf Forbes: Google Cabs And Uber Bots Will Challenge Jobs ‚Below The API‘, inklusive dieser Grafik

Dead End Jobs Below The API

Since Amazon Mechanical Turk introduced automated task management on the web in 2005, there has been a rise of jobs controlled by software APIs. These employers include 99designs, Uber, TaskRabbit and HomeJoy. There is a growing disparity between workers who make the software (above the API) and those completing the tasks (below the API). Many jobs that can be parceled out via API will be vulnerable to robot automation, perhaps as soon as 2020.

3.

Wenn also der Punkt, an dem ein Auto keinen „Fahrer“ mehr benötigen muss, noch in weiter Zukunft liegt (#1) und gleichzeitig mit den „jobs below the api“ (unfreiwillig) günstige menschliche Arbeitskraft verfügbar gemacht wird, könnte man spekulieren, dass Unternehmen wie Uber noch sehr, sehr lange auf menschliche Fahrer setzen werden. Einfach weil sie im Vergleich günstiger sind.

4.

Varousfakis’ Essay How I became an erratic Marxist im Guardian ist aus vielen Gesichtspunkten bemerkenswert. Als jemand, der in seinem Leben bisher wenig Berührungspunkte mit Marx hatte, wird mir immer klarer, dass es diese Lücke zu füllen gilt, gerade auch aus meinem aktuellen Blickwinkel der Beschäftigung mit dem Thema ‚technologiebedingte Arbeitslosigkeit‘:

Capital can never win in its struggle to turn labour into an infinitely elastic, mechanised input, without destroying itself. That is what neither the neoliberals nor the Keynesians will ever grasp. “If the whole class of the wage-labourer were to be annihilated by machinery”, wrote Marx “how terrible that would be for capital, which, without wage-labour, ceases to be capital!”

5.

Unter dem Begriff ‚Gig Economy‘ beschäftigt sich Sarah Kessler mit den „jobs below the api“ und hat dazu letztes Jahr sogar ein Eigenexperiment durchgeführt.

Nun hat sie sich die Probleme angesehen, die Arbeiter in diesem Bereich haben, die sich gegenüber den Plattformen und Auftraggebern Rechte erkämpfen wollen. Uber-Fahrer beginnen sich zu organisieren. Auftragnehmer bei Amazon’s Mechanical Turk starten Kampagnen usw.

tactics used by trade unions to win better working conditions in decades past are hard to implement when your work is doled out through an app.

Ich denke, dass eine neue Arbeitsform auch neue Konzepte von Arbeiterrechten braucht und die können wahrscheinlich auch nur mit neuen Wegen des Arbeitskampfes durchgesetzt werden. Ich bin nicht sicher, inwiefern die klassischen Gewerkschaften hier in der Lage sein werden, ihre Tradition beiseite zu lassen.

Noch weiter weg scheinen alternative Unternehmensmodelle für die Gig Economy. Aber deswegen nicht weniger spannend.

The only way for independent workers to really benefit from the platforms that use their labor, argues Janelle Orsi, a lawyer who specializes in sharing economy issues, is for them to own the platforms themselves, in what she calls a „freelancer-owned cooperative.“ Since these platforms would by definition treat workers better, she thinks they could challenge companies like Uber, Airbnb, and Homejoy by essentially stealing their workforces. „The companies themselves have very few assets,“ she says. „They don’t own cars, and they don’t own infrastructure, they don’t own hotels. They just own a software platform and a lot of clout. And if that clout goes away, then they just have software. And lots of people can create software.“

Etwas sehr vereinfacht. Aber wie gesagt: ein interessantes Szenario, weil eine Alternative zum aktuellen Zustand.

Kommentar verfassen