jeffstaple Interview, mal wieder

Entspanntes aber langes Interview. Ein interessanter Punkt: irgendwo in der Mitte erzählt er von der Theorie eines Freundes, dass Leute wie er, die so in ihrer Arbeit drin stecken, nur in Fernbeziehungen funktionieren können, da niemand zu hause wartet, wenn sie sich in ihrer Arbeit verlieren. Auf der anderen Seite können sie sich dann auch voll auf die Beziehung konzentrieren, wenn sie bei ihrem Partner sind. Jeff betont aber gleich, dass er nicht dieser Meinung ist, weil er gerade eine lokale Freundin hat.

Thesen zur Zukunft der Arbeit von Sam Huleatt

Sehr, sehr lesenswerter Artikel von Sam Huleatt zum Thema ‘Enterprise 2.0‘:

[…] I feel the phrase Enterprise 2.0 is not the best one to represent the next generation of enterprise software. I arrive at this conclusion based in the fact that work culture is fundamentally changing. As a result of these changes, the next wave of software innovations cannot simply be ‘additions’ to already existing architectures. Maybe this would be fine if we were in a maturing industry; but we are not. Thus, our next software innovations must utilize new architectures that are specifically designed to address our new era. Likewise, the terminology we use to define new software should reflect such changes.

So what exactly is going on?

Seine Thesen zusammengefasst:

  1. Weg von der Vorstellung von hierarchischen Unternehmen. Dank der Globalisierung und den neuen Technologien verschiebt sich die Macht von den großen Unternehmensstrukturen zurück zu den Einzelnen. Dabei geht es mehr und mehr um Spezialisierung.
  2. Zunehmendes Verständnis für die Verbesserung von Arbeit durch Gemeinschaft. Stichworte: Schwarmintelligenz, kollektive Intelligenz und Weisheit der vielen. Freelancer arbeiten besonders gut, wenn sie in einem geselligen Umfeld arbeiten können (Anmk. von mir: siehe Coworking). Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit.
  3. Anwesenheit wird unwichtiger. Technologie ermöglicht inzwischen, dass man hochgradig kollaborativ und mit Spezialisten zusammenarbeiten kann, ohne dabei im selben Raum sein zu müssen. Zusammenarbeit wird dadurch geografisch unabhängig. Junge Angestellte (die, die jetzt in den Beruf einsteigen, werden gerne mit dem Modewort ‚Millenials‘ bezeichnet) fordern mehr Flexibilität und die Möglichkeit, von zuhause aus zu arbeiten.
  4. Produktivität verliert an Bedeutung während Qualität in den Vordergrund rückt. Junge Leute arbeiten länger und sind spezialisierter, sie identifizieren sich aber auch mehr mit dem, was sie tun. Deshalb geh es für sie nicht mehr darum, es schneller zu machen, sondern besser.

Sam Huleatt baut mit zwei Partnern gerade an der Web-Applikation Workstreamr, die nach der Beschreibung von Stowe Boyd wie eine Mischung aus Basecamp, Xing und Twitter klingt. Sie soll dazu dienen, Freelancer und Selbstständige bei kollaborativen Projekten zu unterstützen und das Netzwerken zu vereinfachen.

TED: Jill Bolte Taylor erklärt ihren Schlaganfall

Ein Schlaganfall ist eine durchweg grauenvolle Sache. Aber wenn man als Hirnforscher einen Schlaganfall erleidet kann man daraus auch einiges lernen, vorausgesetzt, man überlebt. Genau das ist Jill Taylor passiert, die in diesem bewegenden Vortrag auf der diesjährigen TED das erlebte ausführlich schildert. ‚Mindblowing‘ wäre hier als Adjektiv für den Vortrag wohl etwas unangebracht, beschreibt ihn aber ziemlich gut, auch wenn es zum Ende hin etwas esoterisch wird.

Sind Lebensläufe überflüssig?

Seth Godin schreibt in Why bother having a resume?, warum man keinen Lebenslauf haben sollte:

„A resume is an excuse to reject you. Once you send me your resume, I can say, „oh, they’re missing this or they’re missing that,“ and boom, you’re out.
[…]
If you don’t have a resume, what do you have?

How about three extraordinary letters of recommendation from people the employer knows or respects?
Or a sophisticated project they can see or touch?
Or a reputation that precedes you?
Or a blog that is so compelling and insightful that they have no choice but to follow up?“

37signals mit 4-Tage-Woche

Ich war schon immer ein großer Fan der progressiven Gedanken von 37signals, einer kleinen Webschmiede in Chicago. Bezogen sich ihre Ideen bisher hauptsächlich auf die Entwicklung und das Design von Web-Applikationen, erzählen sie nun auf ihrem Blog über ihre Arbeitsplatz-Experimente in diesem Jahr. Der größte Brocken dabei ist die Einführung der 4-Tage-Woche.

Workplace Experiments – (37signals):

Last summer we experimented with 4-day work weeks. People should enjoy the weather in the summer. We found that just about the same amount of work gets done in four days vs. five days.

So if that’s the case we could either push everyone to work harder during those five days or we could just skip one of those days. We decided to skip one of those days.

So recently we’ve instituted a four-day work week as standard. We take Fridays off. We’re around for emergencies, and we still do customer service/support on Fridays, but other than that work is not required on Fridays.

Three-day weekends mean people come back extra refreshed on Monday. Three-day weekends mean people come back happier on Monday. Three-day weekends mean people actually work harder and more efficiently during the four-day work week.

Ich befürchte mal, dass solche Gedanken hier nie ankommen, geschweige denn umgesetzt werden. Aber man darf ja träumen. Andere Maßnahmen sind übrigens noch so Dinge wie die Hobbys der Mitarbeiter mit Geld unterstützen uvm. Wie imgriff.com schon richtig schreibt: 37signals sind definitiv der Arbeitgeber des Monats.

Social Media – Agenturen haben keine Ahnung

Adweek berichtet über eine Umfrage, bei der Marketing Leute befragt worden, was sie von dem Social-Media-Verständnis ihrer Agenturen halten. Die Ergebnisse sind ernüchternd.
Social Media: ‚Agencies Don’t Get It,‘ Survey Says:

„Clients are placing more emphasis on mastering social media but find their agencies ill equipped to help them succeed in that space, according to a new survey.

TNS Media Intelligence/Cymfony polled more than 60 marketers in North America, France and the U.K. to gauge how they are faring navigating the world of social media. It asked them for feedback on their agencies‘ abilities to help. TNS found, in its words, „Agencies don’t get it.“

Clients complained that their agencies — creative, media, public relations, design and others — typically treat social channels like blogs as traditional media. In other cases, their ideas are not backed up by practical skills in the area. What’s more, one client pointed out that his agencies have little of their own experience using social networks or video-sharing sites for themselves.“

Zwei direkte Erkenntnisse:

  1. Agenturen betrachten Social Media aus ihrer gewohnten Denkweise. Sie übertragen die gelernten Vorgehensweisen auf das neue Medium, weil sie nicht in der Lage sind, ihren Horizont zu erweitern.
  2. Vieles davon hat mit der zweiten Erkenntnis zu tun: Agenturmitarbeiter bewegen sich selbst kaum in Social Networks und anderen Social-Media-Anwendungen. Aus meiner Beobachtung herrscht häufig noch die typische Agentur-Arroganz, es besser zu wissen als der „Pöbel“ und sich deswegen nicht mit diesem einlassen zu wollen.

Der erste Schritt für Agenturen aus dieser sich aufbauenden Krise: bloggen.