Ihr plant ein Event und sucht eine passende Keynote für euer Programm. Aber was meint das eigentlich?
Ich beobachte häufig ein Missverständnis: Viele denken bei „Keynote“ an eine prominente Person, die irgendwie Glanz verleiht, eine beeindruckende Show bietet und das Publikum unterhält. Das kann funktionieren. Aber es verschenkt Potenzial.
Ende April 2025 kam die Anfrage über mein Kontaktformular: BE-terna, einer der führenden europäischen Anbieter für Geschäftssoftwarelösungen, plant seinen ersten Digital Summit. Zwei Tage in München, 150 bis 200 Teilnehmende aus verschiedenen Branchen: Fertigung, Prozessindustrie, Finanzdienstleistungen. Das Motto: „Redefine Tomorrow“. Ob ich mir vorstellen könnte, die Opening-Keynote am zweiten Tag zu halten?
Wirkung. Wenn ich über meine Arbeit nachdenke, komme ich immer wieder auf dieses eine Wort zurück. Was bewirkt das, was ich tue? Verändert es etwas? Oder bleibt es folgenlos?
In meiner Foresight-Arbeit ist diese Frage besonders drängend. Vor etwa anderthalb Jahren habe ich einen Artikel darüber geschrieben: Der Anfang und das Ende von Foresight. Darin beschreibe ich, was ich regelmäßig beobachte: Foresight-Projekte liefern wertvolle Erkenntnisse. Und dann? Dann passiert oft nichts. Die Erkenntnisse versanden.
Seitdem lässt mich die Frage nicht los: Was müsste anders sein, damit die Erkenntnisse tatsächlich greifen? Ich habe viel mit Freunden aus der Organisationsentwicklung darüber gesprochen. Meine Vermutung: Die größten Hürden liegen nicht in den Methoden. Sie liegen in der Organisation selbst.
Seit meinem ersten Vortrag dazu bei der re:publica 2013 fasziniert mich das Thema. In zwei livegestreamten Brown-Bag-Sessions habe ich mich mit den beiden Zukunftsforschern Markus Iofcea und Marcel Aberle zusammengesetzt und aktuelle Gedanken und Beobachtungen ausgetauscht. Das Ganze läuft unter dem Namen „Zukunft mit ohne Scharf“.
KI-Tools und unsere Learnings
In der ersten Folge geht es um KI-Tools im Arbeitsalltag. Nicht um die große AGI-Debatte, sondern um die konkreten Erfahrungen: Was nutzen wir? Was funktioniert? Was nervt? Und was macht das eigentlich mit unserer Art, zu denken und zu arbeiten?
Meine Hauptpunkte:
Warum mich KI weniger als Technologie interessiert und mehr als Spiegel unserer Zukunftserwartungen
Wie ich Claude nutze, um mir Fragen stellen zu lassen, statt Antworten zu bekommen
Warum mich die neuen „agentiven“ Modelle zum ersten Mal richtig frustrieren
Weshalb ich gerade wieder mehr mit Notizbuch und gedruckten Büchern arbeite
Warum „Welche Jobs werden ersetzt?“ die falsche Frage ist und was das Shein-Beispiel über systemische Veränderung zeigt
Wie mir ein Freund, der elektronische Musik macht, einen neuen Blick auf Wissensarbeit gegeben hat
Ersetzt uns KI?
In der zweiten Folge geht es um die große Frage: Wird KI uns die Arbeit wegnehmen? Spoiler: Die Antwort ist komplizierter als Ja oder Nein. Und der Diskurs dazu hat sich seit zehn Jahren kaum weiterentwickelt.
Meine Hauptpunkte:
Warum der Begriff „Roboter“ aus einer tschechischen Oper stammt, in der Maschinen sich gegen Menschen auflehnen
Warum die Frage: „Welche Jobs werden automatisiert?“ zu kurz greift
Das Konzept „Jobs above and below the API“: Viel mehr Menschen werden schon heute von Computersystemen gesteuert, als ihnen bewusst ist
Warum wir bei KI ungefähr da sind, wo wir 1994 beim Internet waren
Das Paradox aus Fachkräftemangel und Angst vor Jobverlust
Was mir an der Silicon-Valley-Perspektive fehlt
Meine Hoffnung: Mehr Raum für Arbeit, die wirklich Mehrwert schafft
Folgt Zukunft mit ohne Scharf auf LinkedIn und YouTube, um bei den nächsten Livestreams dabei zu sein.
„Wenn wir Zukunft nicht selbst gestalten, agieren wir in der Zukunft von jemand anderem.“
Diese Erkenntnis treibt mich an – und sie ist der Kern meiner aktuellen Keynote, die ihr euch jetzt anschauen könnt.
Im Juni 2025 habe ich beim Exploration Day der Hochschule Ruhr West die Eröffnungs-Keynote gehalten und den Ton für einen Tag voller Zukunftsgestaltung gesetzt. Meine Botschaft an die Mitarbeitenden:
„Was wäre, wenn ihr in ein paar Jahren zurückschaut und denkt: 2025, beim ersten Exploration Day – da hatten wir diese Idee. Und schau mal, was daraus geworden ist.“
„Die Zukunft gestalten“ – ein Slogan, der überall prangt (von Plakaten bis zu Parteitagen), aber nirgends konkret wird. Ein Versprechen ohne Anleitung. Eine Sehnsucht ohne Strategie.
„Zukünfte verstehen und gestalten“ steht seit vielen Jahren als Subline auf meiner Webseite und den Titelfolien meiner Vorträge. Dementsprechend freue ich mich über die Aufmerksamkeit für das Thema und die Möglichkeit, Menschen und Organisationen dabei zu unterstützen, ihre eigenen Zukünfte zu explorieren und proaktiv in die Hand zu nehmen.
Ich bin gerade aus Lissabon zurückgekommen, wo letzte Woche die zweite Ausgabe der Future-Days-Conference stattfand. Es ist ein Treffen, das die progressivsten Denker*innen und Aktivist*innen aus dem weiten Feld der Zukunftsforschung und der sich überschneidenden Disziplinen zusammenbringt. Die Veranstaltung fand in einer der beeindruckendsten Eventlocations statt, die ich je gesehen habe (was du hier sehen kannst).
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