Johannes Kleske

Zukünfte verstehen und gestalten

Bücher, die ich 2016 gelesen habe

offenes Buch mit Markierungen

Sag mir, was du liest, und ich sag dir, wer du … bla. 2016 war Goodreads mein Lieblings-Social-Network. Ich habe so viele Bücher wie noch nie zuvor gelesen (zusätzlich zu all den Artikeln, Essays und Studien). Deswegen werfe ich noch mal einen Blick zurück auf die Themen, Geschehnisse und Autoren, die mein 2016 geprägt haben – anhand all der Bücher, die ich gelesen habe.

  • Satin Island von Tom McCarthy – Die endlosen Tagträume eines Agenturmenschen. War irgendwie nicht meins.
  • Team of Teams von Stanley McChrystal – Wahrscheinlich das Buch, mit dem ich am meisten dieses Jahr gearbeitet habe. McChrystal war der Chef der Special Forces der US im Irak und hat dort den gesamten Militär-Apparat auf den Kampf gegen ein Netzwerk wie Al-Qaida im Irak umgestellt. Daraus leitet er (und sein Team) viele Erkenntnisse für Unternehmen in einer vernetzten Welt ab. Herausgekommen ist dabei eines der besten Einführungsbücher zur Digitalisierung. Jepp, fand ich jetzt auch eher unerwartet.
  • Parable of the Sower von Octavia Butler – Wahrscheinlich das brutalste Buch, das ich 2016 gelesen habe. Butler ist absolut schonungslos mit ihren Charakteren in einer Welt, die sich sehr „post-Trump“ anfühlt. Es gibt sogar einen US-Präsidentschaftskandidaten, der den Slogan „Make America great again“ benutzt. 
  • The Cyclist’s Training Bible von Joel Friel – Das Standardwerk für Rennrad-Training
  • American Gods von Neil Gaiman – Wird seinem Ruf gerecht. Freue mich auf die TV-Serie.
  • Company Town von Madeline Ashby – Gut geschriebener Near-Future-SciFi mit Konzepten wie einer Gewerkschaft für Sexarbeiter.
  • The Red Men von Matthew De Abaitua – Near-Future-Roman über Algorithmen.
  • Das Hohe Haus von Roger Willemsen – Auf der Suche nach Büchern über deutsche Politik (Empfehlungen willkommen) auf diese Beobachtungen von Willemsen gestoßen, der ein Jahr im Bundestag bei jeder Sitzung dabei war. Sehr gute Bestandsaufnahme vor allem der Selbstdarstellung und des Selbstverständnisses deutscher Politiker.
  • The Real World of Technology von Ursula Franklin – Das Buch, das ich gerne jedem Menschen in der Tech-Szene und darüber hinaus aufzwingen würde.
  • Normal von Warren Ellis – Ein Buch wie eine Prophetie für das Jahr 2016, das in meinem Bekanntenkreis, der sich mit der Zukunft beschäftigt, einen wunden Punkt getroffen hat. Mehr dazu in der letzten Ausgabe meines Newsletters und in diesem Gespräch mit Warren Ellis.
  • The Audacity of Hope von Barack Obama – Zeit für ein Geständnis: Ich hatte 2016 eine kleine Obama-Obsession und habe recht viel über ihn und von ihm gelesen. Mich hat es fasziniert, dass es hier komplett gegen den Zeitgeist einen Politiker gibt, der sehr langfristig denkt und z. B. als erster US-Präsident noch während seiner Amtszeit ein Whitepaper schreibt. Ich wollte besser verstehen, wie er tickt. Auslöser für den Deep Dive war dieser Artikel im Atlantic (weitere empfehlenswerte Artikel: My President was black, Obama Reckons with a Trump Presidency). Das Buch hier, das seine Kandidatur startete, habe ich als Hörbuch von ihm gesprochen gehört.
  • Alter Egos: Hillary Clinton, Barack Obama, and the Twilight Struggle Over American Power von Mark Landler – Das Buch kann man sich ein wenig so vorstellen, als würde die TV-Serie „West Wing“ nur von Außenpolitik handeln: Alle Ereignisse der US-Foreign-Policy der letzten zehn Jahre, einmal aus Sicht von Obama und einmal aus der Sicht von Clinton erzählt.
  • The Dispossessed von Ursula K. Le Guin – Fantastisches Werk von Le Guin aus den 70ern, in dem sie hinter die Kulissen einer utopischen Gesellschaft schaut und feststellt, dass da auch nicht alles rosig ist. Auch das erste Buch, das ich 2016 zu meinem aktuellen Research-Thema ‚Utopien‘ gelesen habe.
  • H is for Hawk von Helen Macdonald – Ein wunderbares Buch von einer Frau, die einen Falken trainiert; ein Thema, das mich nicht weniger interessieren könnte.
  • Rückkehr nach Reims von Didier Eribon – Wenn halt alle drüber sprechen … Fand’s aber in der Tat hilfreich. Nach „H is for Hawk“ aber auch direkt das zweite Buch, in dem sich die Autoren mit dem Tod des Vaters beschäftigen. Nachdem mein Vater 2015 gestorben ist, scheint sich das Thema unbewusst in meine Bücherwahl zu schleichen.
  • Believer von David Axelrod – Zurück zu Obama. Hier die Biografie seines Chef-Strategen.
  • The Corporation Wars: Dissidence von Ken Macleod – Mehr zeitgeistige SciFi über Maschinen, die Bewusstsein erlangen.
  • Höllenritt Wahlkampf von Frank Stauss – Grauenhaft geschrieben, aber trotzdem ein interessanter Einblick von einem der wichtigsten Wahlkämpfer der SPD. Bin nicht nur deswegen gespannt, ob Stauss die SPD in NRW dieses Jahr retten kann.
  • Kultur der Digitalität von Felix Stadler – Das neue Standardwerk über Digitalisierung in deutscher Sprache. Stadler blickt viel ganzheitlicher auf das Thema, als es allgemein im deutschsprachigen Raum üblich ist. Das tut gut.
  • Grand Hotel Abyss von Stuart Jeffries – Eine Einführung in und eine Biografie über die Hauptprotagonisten der Frankfurter Schule. Da ich kaum Background in Philosophie und Soziologie habe, haben mir Namen wie Adorno und Horkheimer vorher nur wenig gesagt. Das wollte ich mit diesem Buch ändern, was fantastisch geklappt hat. Wahrscheinlich das dickste Buch, das ich 2016 gelesen habe. Trotzdem habe ich es aufgesogen. Toll geschrieben und mit dem für mich genau richtigen Level von Anspruch.
  • Rules for Radicals von Saul D. Alinsky – Das erste Buch, das ich nach der US-Wahl gelesen habe. Eine Anleitung zum Community Organizing, die Alinsky Anfang der 70er geschrieben hat und die schon Obama dazu motiviert hat, Community Organizer in Chicago zu werden.
  • Hope in the Dark von Rebecca Solnit – Das Buch hat Solnit nach der zweiten Bush-Wahl geschrieben, um die niedergeschlagenen Aktivisten wieder aufzurichten. Nach der Trump-Wahl hat ihr Verlag das E-Book für ein paar Tage kostenlos angeboten, was ich gerne in Anspruch genommen habe. Das Buch hilft in der Tat, wieder Hoffnung zu schöpfen, weil es zeigt, was sie alles konkret bewirken kann, insbesondere wenn alles verloren scheint. Ich kann übrigens empfehlen, Rebecca Solnit auf Facebook zu folgen, wenn man verfolgen will, wie die Aktivisten in den USA auf Trump reagieren. Siehe dazu auch diesen Artikel von ihr.
  • Four Futures von Peter Frase – Ein kleines Büchlein, das vier Szenarien beschreibt, wie die Welt mit der möglichen Automatisierung von Jobs umgehen könnte. Sehr hilfreich für den Diskurs.
  • Utopia von Thomas Morus – Wenn man sich mit Utopien beschäftigt, muss man natürlich auch den Namensgeber lesen. Diese Jubiläumsausgabe von Verso lohnt sich allein schon wegen der Essays von China Miéville und Ursula K. Le Guin.
  • Hertzmann’s Coffee von Vanessa F. Fogel – Ein schöner Roman, der mir kurz vor Weihnachten geholfen hat, runterzukommen.
  • Consider Phlebas von Iain M. Banks – Meine Lektüre über die Weihnachtsfeiertage. Space-Opera-Sci-Fi, wie man sie sich vorstellt.

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