Die neue Brigitte-Community Bfriends ist online

Bfriends - die Brigitte-Community

Bevor ich das Arbeitsleben 2008 tatsächlich abschließe darf ein Hinweis nicht fehlen. Die ersten sechs Monate meiner Arbeit bei Neue Digitale / Razorfish sind endlich live: Bfriends – die neue Community von Brigitte.

Mit Bfriends baut Gruner+Jahr seine Brigitte-Community, die bisher aus einem großen Forum bestand, zu einem vollen Social Network aus. Was mich nach wie vor an dem Projekt begeistert, ist der Fokus, den Benutzern einen echten Mehrwert für ihr „FirstLife“ zu bieten. Bei Bfriends geht es neben den üblichen Social-Networking-Funktionen zur Vernetzung mit Freuden vor allem auch darum, neue Leute aus der eigenen Umgebung passend zu den eigenen Interessen zu finden. Damit ist Bfriends zwar ein deutschlandweites Social Network, aber eins der ersten mit einem starken Lokalfokus.

Der zweite große Aspekt von Bfriends ist noch gar nicht sichtbar (wurde von G+J aber schon bekannt gegeben): die enge Verknüpfung von Bfriends mit der neuen brigitte.de, die in absehbarer Zeit online gehen wird. So wird Bfriends kein Social Network im luftleeren Raum, sondern eins mit enger Verzahnung in eine der deutschen Topquellen für hochwertige Inhalte.

Wir haben für dieses Projekt das Konzept entwickelt. Umgesetzt wurde es von hmmh in Hamburg.

Brigitte-Community Bfriends

Xing und die Werbung

heise online – XING-Nutzer protestieren gegen ungewollte Profil-Werbung:

Zu sehen sind Werbebanner derzeit offenbar nur für Xing-Mitglieder, die nicht als zahlende Premium-Mitglieder eingetragen sind und den Dienst kostenlos nutzen. Diese finden sich nun beim Abruf jeglicher Art von Profilen mit Werbebannern konfrontiert. Premiumkunden sehen dagegen keine Werbung, müssen sich aber gefallen lassen, dass ihre Profile als Werbeträger genutzt werden. Eine explizite Information der Nutzer fand nicht statt.

Nach all dem Trouble, den Webanbieter in den letzten Monaten mit ihren Communities hatten (unter anderem flickr wegen Zensur, Facebook wegen allem möglichen, StudiVZ wegen allgemeiner Geldgeilheit, etc.), sollte man meinen, die anderen Anbieter hätten daraus gelernt. Aber denkste, Xing setzt den Reigen munter fort und kleistert sich unschön und unsauber mit Werbung voll.
Haben die Anbieter von Communities alle kein Fingerspitzengefühl im Umgang mit ihren Nutzern? Auf der einen Seite gibt es sicher die Anbieter, für die die Nutzer das notwendige Übel zum Kohlemachen sind. Aber auf der anderen Seite gibt es auch die, die ernsthaft daran interessiert sind, ihren Nutzern einen sinnvollen und hilfreichen Dienst anzubieten. Und zu denen würde ich auch Xing zählen.

Man hat’s aber auch nicht leicht mit so einer Community. Die will gehegt und gestreichelt werden. Und vor allem ist sie furchtbar allergisch auf alles neue. Als Community-Betreiber braucht man sich da gar keine falschen Vorstellungen machen. Jedes neue Feature, das man einführt, wird mit Argwohn, Ablehnung und vielen angedrohten Austritten begrüßt werden. Das ist praktisches Community-Gesetz. Wir lehnen einfach grundsätzlich alles ab, was neu ist. Zumindest so lange, bis wir uns daran gewöhnt haben.
Die Frage ist, ob man als Anbieter hinter dem Feature steht und denkt, dass es der Community dient. Dann gilt es den Kritikhagel auszustehen, abzuwarten und die Hinweise der konstruktiven Stimmen zu beachten. Irgendwann wird die Community merken, was mit dem Feature eigentlich möglich ist und anfangen, es zu akzeptieren. Bestes Beispiel für diesen Vorgang ist der News-Feed auf Facebook (mit dem man sehen kann, was die Freunde bei Facebook machen), für den Facebook bei der Einführung zerrissen wurde. Inzwischen gilt der News-Feed als eine der Innovationen im Social-Network-Bereich und wird von allen kopiert.

Für eins habe ich aber überhaupt kein Verständnis: miese oder gar keine Kommunikation mit der Community. Aus Angst vor der Kritik oder anderen niederen Motiven gehen Anbieter immer mehr dazu über, neue Features heimlich und ohne Ankündigung einzuführen in der Hoffnung, dass der Aufschrei klein bleibt. Aber kollektiver Intelligenz sei dank geht das grundsätzlich immer schief und bewirkt den gegenteiligen Effekt. Viele Anbieter, ob flickr, Facebook oder StudiVZ, haben nach heftiger Kritik reagiert und Dinge geändert oder zurück genommen. Das ist schon mal ein Anfang. Aber das hätte man sich auch ersparen können, wenn man direkt mit der Community gesprochen hätte.
Ich glaube, dass 2008 die Anbieter einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben werden, die ihre Communitymitglieder ernst nehmen und authentisch und ehrlich mit ihnen kommunizieren. Mal sehen, wer die Eier dazu hat.

Update: Lars Hinrichs, Geschäftsführer von Xing, hat sich inzwischen auch zu Wort gemeldet. Auch er ist den gewohnten Gang des Anbieters gegangen und hat auf die Kritik mit der Möglichkeit reagiert, die Werbung auf dem eigenen Profil (bei zahlenden Kunden) abzustellen. Wie gesagt, diese Reaktion war zu erwarten. Ist ja auch nett, dass er sich mit seiner Community unterhält. Die Frage ist nur, warum er das nicht vorher gemacht hat. Hier gilt der Spruch „Besser um Vergebung als um Erlaubnis fragen“ halt leider nicht.

Update2: Kudos an Xing aus ihren Fehler zu lernen, genau hinzuhören und klar zu reagieren: Keine Werbung auf den Profilseiten der Premium-Mitglieder

Geld verdienen mit Social Networks

Profiting from Social Networking:

Facebook, where users expect applications to augment their social experience with little effort and at no cost, may be a tough environment for companies whose ultimate goal is making a buck, especially since so many companies are still trying to work with traditional ad models. Ultimately, the most successful applications are those whose business model, brand identity, and natural users match the culture and demographic on the network. As such, the top applications may not provide plug-and-play solutions for every brand hoping to enter Facebook. But the lessons they teach about the need for authenticity and relevancy are universal tenets for marketers in the Web 2.0 age.

Das größte Problem scheint nach wie vor zu sein, dass man mit alten Businessmodellen an ein neues Medium herangeht. Somit wird für viele auch in 2008 die Hauptaufgabe bleiben, die grundlegenden Prinzipien von Vernetzung, Community und Emergenz zu verstehen und neue Ideen zu entwickeln, wie man diese unterstützen kann. Wer das am besten schafft, hat gute Chancen auf den Hauptgewinn.