Warum ich mir Apple Keynotes ansehe

Der von Bruce Sterling propagierte Konsumansatz hält auch als Erklärung her, warum ich mir nach wie vor jede Keynote von Apple verfolge (hier die letzte). Ich verbringe in der Regel 12 bis 16 Stunden am Tag vor einem Applerechner. Die restliche Zeit befindet sich meist ein mobiles Applegerät in meiner Hand. Ich kaufe Apple Produkte, weil sie nach Sterling’s Ansatz die besten Produkte für das sind, was ich täglich mache. Andere Faktoren wie die Offenheit der Systeme, spielen für mich ebenfalls eine wichtige Rolle, sind in der Priorität aber etwas unter der Bedienbarkeit angeordnet.

Die Betriebssysteme, die Apple auf seine Geräte packt, haben wie kaum ein anderer Faktor Einfluss auf Spaß und Produktivität in meinem Alltag. Wenn Apple ein neues Feature einbaut oder ein bestehendes verbessert, hat das Auswirkungen für mich. Ich habe seit ein paar Tagen die iOS5-Beta auf meinem iPhone und iPad. Die neue Benachrichtungsfunktion und die Twitter-Integration sind großartige Erweiterungen, die verändern, wie ich kommuniziere. Ich erwarte ähnliches von den neuen Features in Lion, dem nächsten Mac Betriebssystem.

Deswegen verfolge ich Apples Keynotes: um Einblick zu bekommen, wie sich mein Alltag in naher Zukunft ein Stück weit verändern könnte und darüber nachzudenken, welche grundlegenden Verhaltensweisen das in Zukunft beeinflussen könnte (das ist mein Job). Ich würde übrigens das selbe mit Microsoft-Keynotes machen, würde ich einen Windows-Rechner benutzen.

Aus einem ähnlichen Grund lese ich übrigens immer das Handbuch, egal um was für ein Gerät es sich handelt. Ich will Geräte, die ich ständig im Einsatz habe, bis ins kleinste verstehen, um nicht eine Funktion zu übersehen, die meinen Alltag ein bisschen einfacher machen könnte. Ich denke, Herr Sterling würde das befürworten.

Konsum & der „glocal lifestyle“

Ben Hammersley (@benhammersley) hat sich diese Woche ein paar Gedanken über seinen Lebensstil als Teil der „pan-national migratory digital elite“ gemacht, die – wie viele andere gesellschaftlichen Gruppen auch – ihre Haltung zum Thema ‚Konsum‘ überdenkt.

Over the past year or so, and very definitely in the past six months, I’ve been subscribing to the cult of the minimalist glocal: own little but the best, travel light, stay ahead. […] There’s downshifting, and minimalism, and decluttering, and simplification, from everyone from Oprah on up. Combine it with GTD, throwing everything into the cloud, and an emphasis on networks over hierarchies, and that, right there, is pretty much my life at the moment.

Ein Lebensstil, der inklusive des Konsumdenkens, eine große Attraktivität auf mich ausübt. Mein Leben ist gerade relativ dezentral. Ich pendle zwischen Berlin und Frankfurt (wo meine Freundin wohnt). Meine Arbeit bringt mich an viele andere Orte. Flexibilität ist ein wertvolles Gut für mich, weil sie mir erlaubt, schnell auf Entwicklungen zu reagieren. Das war mit ein Grund die Festanstellung zu verlassen und eine kleine, agile Agentur mit Freunden zu gründen, die eine ähnliche Einstellung haben. Und zum Flexibel bleiben gehört auch, möglichst wenig materielles zu besitzen, was einen einschränkt. Wenn die Vorstellung, das eigene Hab und Gut für einen Umzug zusammen packen zu müssen, einen dazu bringt, Umzugspläne zu hinterfragen, wird es dringend Zeit, auszumisten.

Hammersley bezieht sich in seinem Artikel auf ein Essay von Bruce Sterling (@bruces) vom November 2008, in dem dieser seine eigene Philosophie zum Thema Konsum formuliert. Dabei argumentiert er bewusst gegen die pure Konsumenthaltsamkeit (hairshirt-green).

Hairshirt-green is the simple-minded inverse of 20th-century consumerism. Like the New Age mystic echo of Judaeo-Christianity, hairshirt-green simply changes the polarity of the dominant culture, without truly challenging it in any effective way. It doesn’t do or say anything conceptually novel – nor is it practical, or a working path to a better life.

Stattdessen propagiert er ein neues Verständnis von Nachhaltigkeit, dass sich auf die Gegenstände konzentriert, die in unserem Alltag die meiste Zeit einnehmen.

The items that you use incessantly, the items you employ every day, the normal, boring goods that don’t seem luxurious or romantic: these are the critical ones. They are truly central. The everyday object is the monarch of all objects. It’s in your time most, it’s in your space most. It is „where it is at,“ and it is „what is going on.“ […] However: the things that you use every day should be the best-designed things you can get. For instance, you cannot possibly spend too much money on a bed […] You’re spending a third of your lifetime in a bed. Your bed might be sagging, ugly, groaning and infested with dust mites, because you are used to that situation and cannot see it. That calamity might escape your conscious notice. See it. Replace it. […] Get excellent tools and appliances. Not a hundred bad, cheap, easy ones. Get the genuinely good ones. Work at it. Pay some attention here, do not neglect the issue by imagining yourself to be serenely „non-materialistic.“ There is nothing more „materialistic“ than doing the same household job five times because your tools suck. Do not allow yourself to be trapped in time-sucking black holes of mechanical dysfunction. That is not civilized.

Die bestmöglichen Produkte für die Gegenstände, mit denen wir die meiste Zeit verbringen, den Rest so gut es nur eben geht, entsorgen – seitdem ich diesen Ansatz auf der reboot11 das erste Mal von ihm gehört habe, fasziniert er mich und hat unter anderem dazu beigetragen, dass ich mir in diesem Frühjahr das beste Bett geleistet habe, das ich jemals besessen habe.
Sterling’s Essay (hier als besser lesbare Version in Readability) steckt voller weiterer Tipps und Denkanregungen. Ich werde es, genauso wie Hammersley’s Artikel, in nächster Zeit sicher noch häufiger reflektieren.

Beide beschäftigen sich in ihren Texten neben dem konkreten Konsumansatz auch mit den Auswirkungen des dahinterliegenden „glocal“-Lifestyles.

Sterling:

The 400-year-old Westphalian System doesn’t approve of my lifestyle, although it’s increasingly common, especially among people half my age. It’s stressful to live glocally. Not that I myself feel stressed by this. As long as I’ve got broadband, I’m perfectly at ease with the fact that my position on the planet’s surface is arbitrary. It’s the nation-state system that is visibly stressed by these changes – it’s freaking out over currency flows, migration through airports, offshoring, and similar phenomena.

Hammersley:

It’s perhaps this shift in complexity, from the physical to the intangible, that marks the new modernity, and this sort of lifestyle reifies that. I don’t know. I’m working on it, as it marks a growing class of people that my clients, business and governments alike, need to deal with. The pan-national migratory digital elite are opting out of a lot of the stuff that makes them governable. That is a problem for a nation state.

Alles sehr spannend. Muss. Mehr. Nachdenken.