Webmanntag in Karlsruhe

Gut war er, der erste Webmanntag äh Webmontag gestern abend hier in Karlsruhe. Die Vorträge waren mir persönlich zu technisch. Aber ich will nicht meckern, hab ja auch nix gemacht. Das wird sich beim nächsten mal ändern. Ich schwanke noch zwischen ‚Clash of the Frameworks – Der ultimative Schwanzvergleich‘ und ‚Social Relationshipmanagement 2.0‘ mit Kennenlern- und Saufspielen, hehe. Aber ehrlich gesagt, haben mich die Vorträge auch nicht wirklich interessiert. Ich war wegen der Leute da. Und das hat sich richtig gelohnt. Ich liebe es ja immer, wenn aus Netzbekanntschaften reale Gesichter und Menschen werden, denen man die Hand schütteln kann. Nach den Vorträgen bildete sich irgendwie zufällig eine kleine Gruppe, mit der ich dann den Rest des Abends verbracht habe. Leute, es hat richtig Spaß mit euch gemacht, auch wenn ihr alle Geeks seid 😉

Was ich definitiv auf meine Kappe für’s nächste mal nehmen will, ist das ganze ein bisschen zu weiten. Es tut uns Geeks, glaube ich, immer wieder ganz gut, ein bisschen aus unserem eigenen Saft rauszukommen und den Blick zu weiten. War schon lustig gestern, weil bei den Vorträgen immer wieder begeistert Features aufgezählt wurden und was sich mit irgendwelchen Frameworks alles tolles machen lässt. Aber irgendwie ging es nie um den normalen Benutzer geschweige denn um Probleme außerhalb der virtuellen Welt. Wie wäre es z.B. einen Soziologen einzuladen, der was über Gesellschaftswandel erzählt oder sowas? Es ist sehr leicht, sich immer nur in seinem Spezialgebiet aufzuhalten. Ich finde, der Webmontag bietet eine ideale Möglichkeit, um den Horizont zu erweitern. Das spannende an den aktuellen Webgeschehnissen ist doch das Verlassen der Featuregeilheit und die Hinwendung zum Benutzer bzw. die Wahrnehmung des Benutzers in seinem sozialen Netzwerk usw.

Ich kann diesen Beitrag unmöglich beenden, ohne Beate zu erwähnen, um die sich wohl langsam Sagen aufbauen, hihi. Ohne Beate würden wir wohl alle immer noch einsam vor unseren Kisten hängen.

Wir sehen uns beim nächsten Webmontag in Karlsruhe.

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Komplex…

…ist meine Antwort, wenn mich Leute fragen, wie London war. Ich bin immer noch dabei, für mich rauszufinden, wie London denn nun für mich war. Gut war es definitiv. Lehrreich ebenso. Während ich das hier anfange zu schreiben und darüber nachdenke, fange ich an mich zu fragen, warum ich eigentlich aus sowas immer mit einem Fazit und Resultat gehen muss. Kann ich die Zeit nicht einfach so für sich stehen lassen? Die guten Zeit gut und die schlechten Zeiten scheiße sein lassen. Vielleicht sollte ich einfach nicht bewerten, ob sich die Zeit gelohnt hat, sondern einfach nur ein paar Geschichten erzählen.

Zum Beispiel von Vorurteilen. Ich gebe zu, ich habe eine Menge davon. Und eine große Anzahl beziehen sich auf Amis. Immerhin habe ich es in den letzten Monaten geschafft, diese schon mal soweit abzubauen, dass ich nicht die ganze USA für Großtexas halte. Trotzdem war ich eher kritisch, als klar war, dass ein Haufen Amis für die Woche nach London kommen würde. Ich ging automatisch davon aus, diese ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein mitbringen würden. Ich erwartete ungefragte Antworten zum EmergingChurch-Alltag und wie das Leben funktioniert. Noch ein Geständnis: Ich neige zu einer gewissen Arroganz, was Kubik und die europäische Emerging Church angeht. Ich denke gerne, dass wir schon viel mehr gecheckt haben. Entsprechend distanziert verhielt ich mich in den ersten beiden Tagen bis mir irgendwann auffiel, dass diese Amis (fast alle Texaner) irgendwie anders waren. Sie stellten Fragen, sie hörten zu, sie waren zurückhalten und sie zwangen sich niemals auf. Mehr und mehr stellte sich heraus, dass sie gekommen waren um zu lernen und zu dienen (und zwar uns und nicht ihrem Ego). Kurzum, ich habe in der vergangenen Woche sehr demütige Texaner kennengelernt. Tja, da geht es hin, mein Vorurteil. Als diese Erkenntnis durch meinen Dickschädel gedrungen war, stellte ich fest, dass ich dabei war zu dem zu werden, was ich von den Texanern erwartet hatte, arrogant und unwillig zu lernen. Ganz schön seltsam, wie sich sowas einschleicht. Die Erkenntnis kam zur rechten Zeit und somit wurde der Rest der selbigen wirklich schön.

Ken ist einer der Texaner. Er war die meiste Zeit seines Lebens Pastor bis er merkte, dass das alles nicht mehr passte und ausstieg. Nun leitet er eine kleine Kaffeehausgemeinde in Houston. Ken ist durch und durch Texaner und trotzdem habe ich in dieser Woche einige Dinge von ihm gelernt und seine Lebenserfahrung genossen. Am Ende hat mir seine Frau erzählt, dass die Begegnung mit uns für Ken sehr wichtig und berührend war. Dieser ganze neue Weg ist für ihn schwierig und vage. Uns zu treffen und von Kubik zu hören hat ihm Bestätigung gegeben, dass er richtig liegt und dass es noch andere Menschen gibt, die so ticken wie er. Hier ist ein Texaner, der nach London kam, um von Europäern zu lernen. Dann mal auf zum nächsten Vorurteil…

Hardcore-Networking-Weekend

Was für ein Wochenende! Bei mir ging’s schon am Mittwoch los, wo wir uns als Team (Daggi, Markus, Mark, Daniel, Philipp und ich) getroffen haben, um das Wochenendseminar ‚Von den Mönchen lernen‘ vorzubreiten. Ist schon spannend, wenn man als Team von Kreativen, Denkern und Theologen gemeinsam ein fundamentales Thema wie z.B. eine Lebensregel angeht. Bei uns hat das bisher bei jedem Treffen zu grundlegenden Neuentscheidungen und Umdenken geführt, weil wir merken, dass manches nicht so funktioniert wie gedacht und sich Dinge in eine andere Richtung weiterentwickeln als geplant (s. dazu Product roadmaps are dangerous). Ich mag das. Wir wachsen jedes mal ein Stück mehr zusammen und merken besser, wie wir funktionieren. Freundschaften wachsen und die Arbeit tritt mehr in den Hintergrund. Und nach all meinen Erfahrungen mit Netzwerken ist das das zentrale Fundament für eine langfristige Zusammenarbeit. Der Mittwochabend war dann auch geprägt von gutem Essen und langen Gesprächen sowie einer Menge Blödsinn. Den ganzen Donnerstag über wurden dann geplant, umgeworfen, diskutiert und neu entwickelt.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat mich dann die Magen-Darm-Grippe eingeholt, die schon halb Kubik in den Wochen zuvor befallen hatte, und hat mich für den gesamten Freitag außer Gefecht gesetzt. Samstag ging’s wieder einigermaßen, so dass ich das Seminar voll mitmachen konnte. Das Cafe war gerammelt voll. Dabei haben wir tatsächlich nur per Mund, Mail und Blogs eingeladen gehabt. Ist ein krasses Gefühl, wenn die unsichtbare Leserschaft plötzlich als lauter echte Menschen vor einem sitzen. Man fragt sich ja doch öfter mal, ob die ganze Blogsache nicht hauptsächlich technische Spielerei ist. In diesem Sinne war das Wochenende massiv ermutigend. Hufi hat 23 Blogger gezählt.

In den zwei Morgensessions hat Markus Nachfolge als grundsätzliches Thema für die ganze Kloster/Mönchs-Sache dargestellt und dabei auf die Trennung zwischen dem eclesiastischen (Gemeinde mit Gottesdienst) und dem monastischen (Lebensgemeinschaften und Klöster) Model hingewiesen, um dann zu zeigen, dass alle großen Missionsbewegungen, die die Welt verändert haben, aus dem monastischen kamen. Es war noch etwas früh am Tag, sonst hätten wir sicherlich viel Spaß mit unserem Trinkspiel (man muss trinken, wenn die Worte „Bonhoeffer“ oder „Zinzendorf“ fallen) gehabt. So waren wir einfach nur massiv beeindruckt, wie Markus, der die ganze Nacht wegen Krankheit nicht geschlafen hatte, ziemlich frei einen umfassenden Vortrag hielt und das theoretische Fundament für den Rest des Tages vorgab.

Nach der Miitagspause wurde es dann praktisch. Daniel und ich stellten verschiedene Möglichkeiten vor, wie wir Dinge von den Mönchen und Klöstern in unser Umfeld importieren können. Durch meinen Ausfall am Freitag hatte ich leider keine Zeit, meinen Teil vorzubereiten und habe so Daniel den Hauptpart überlassen, was sich als gute Form bewies.
Bevor der Rest des Tages für Austausch und Networking geöffnet wurde, konnte noch jeder Zeug vorstellen, das ihm im Alltag in seiner Beziehung zu Gott hilft. Zur Inspiration dienten auch die Gebetssessions, die das Programm über den Tag immer wieder unterbrachen.

Ich habe das Wochenende besonders genossen, weil ich so viele derbe Leute getroffen habe. Inez und Luett (#), Micha und Dorle (erstaunlicherweise keine Band, wobei ihr als die deutschen White Stripes sicherlich Erfolg hättet 😉 ), Mike (#) und Marisa, Marlen (#), Peter und noch viele mehr. War definitiv das Highlight für mich.

Tut mir ein Gefallen, Leute, und taggt eure Blogposts zum Wochenende mit mönchsseminar (siehe unten). Dann kann man sie viel leichter finden.

Mit Micha und Dorle bin ich dann Sonntagmittag direkt nach Köln gefahren, wo ich Laura besucht und mich am nächsten Tag mit Niels getroffen habe. Dabei ging’s dann wieder mehr um Media System Design, Arbeiten und die Zukunft. Spaß hat es trotzdem gemacht. Ich liebe es Beziehungen zu vertiefen. Und das war der Kern des ganzen Wochenendes. Genial euch alle zu kennen, Leute!

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