Artikel bei imgriff in KW18

Die zweite Woche ist rum und ich merke, wie bereichernd es ist, in einem Blognetzwerk zu sein. Im Gegensatz zu mir haben die meisten anderen Autoren bei Blogwerk einen journalistischen Background. Durch ihr Feedback lerne ich gerade einiges.

Ach ja, habe auch noch ein kleines Profil von mir für imgriff geschrieben.

Productive Talk

Merlin Mann & David AllenJeder, der sich auch nur im entferntesten für GTD („Wie ich die Dinge geregelt kriege. Selbstmanagement für den Alltag.“ (David Allen)) interessiert sollte sich unbedingt die Gespräche zwischen Merlin Mann, Nr. 1 Blogger zum Thema und David Allen, GTD-Erfinder, anhören. Das lohnt sich allein schon, weil man als erstes feststellt, dass David Allen ein durch und durch sympathischer Typ ist, der nicht wie gewöhnliche Managementgurus einfach nur ständig seine Mantras wiederholt. Darüber hinaus kann man durch die Gespräche wirklich viel lernen, weil sich die beiden vor allem auf die Implementierung des Systems konzentriert haben. Das ganze gibt’s als Podcast bei Merlin oder hier als Gesamtdownload.

Productive Talk Compilation

Midnight Inbox – GTD-App für den Mac

Programmfenster von Midnight Inbox
Wird mal wieder Zeit für ein GTD-Post. Midnight Beep Softworks entwickelt gerade mit die erste explizite GTD-Applikation namens Midnight Inbox für den Mac, also eine Software die sich nicht nur GTD-mäßig nutzen lässt, sondern explizit auf das Selbstorganisationssystem ausgerichtet ist. Bisher sind zwei Betas erschienen, die schon sehr vielversprechend sind. Lustigerweise hilft die Applikation auch ganz gut dabei zu verstehen, wie GTD eigentlich funktioniert. Beta meint hier übrigens tatsächlich Beta, so dass die Applikation derzeit noch nicht wirklich im Alltag verwendbar ist. Aber ich bin gespannt, ob sie es im ersten offiziellen Release schafft, mein Kinklesssystem abzulösen. Aber vielleicht macht auch am Ende Omnigroup das Rennen, die gerade ebenfalls eine explizite GTD-Applikation angekündigt haben.

Update: Omnigroup hat den Entwickler von Kinkless zum Workshop für OmniFocus eingeladen. Klingt sehr vielversprechend.

Mehr zum Thema: , ,

Männerfrühstück

Um das ganze GTD-Ding mal auf’s nächste Level zu bringen treffe ich mich jetzt mit Martin und Benson alle zwei Wochen, um über das Buch labern und Umsetzungen zu diskutieren. Größte Herausforderung: rechtzeitig die anstehenden Kapitel lesen.

Ich mache kein GTD (Update)

In letzter Zeit habe ich häufig darüber nachgedacht, einen eigenen Produktivitätsblog zu starten. Fast ein Jahr ist der Artikel ‚GTD in einer Nußschale‘ jetzt alt und trotzdem ist er weiterhin jede Woche der am meisten gelesene Artikel in meinem Blog. Die meisten meiner Besucher, die von Google kommen, haben nach ‚gtd‘ gesucht. Jedes Quartal verkaufe ich zwischen fünf und zehn ‚Wie ich die Dinge geregelt kriege‘-Bücher über dieses Blog. Scheinbar herrscht ein immenses Interesse an der Thematik. Das sehe ich ja bei mir. Ich kaufe blind alles, was mir mehr Effektivität und Zeit verspricht. Was liegt da näher als ein Blog speziell zu der Thematik zu starten und gleichzeitig den Einstieg ins ProBloggen zu wagen. Könnte funktionieren.

Und doch bin ich irgendwie zurückhaltend. Das könnte z.B. damit zusammenhängen, dass ich bei Don Miller in einem Buch gelesen habe, dass er früher Selbsthilfebücher verschlungen hat. Aber irgendwann hat er gemerkt, dass sie einfach nichts mit dem realen Leben zu tun haben und im Alltag nichts bringen. Dann wäre da noch meine eigene Unfähigkeit von all den Produktivitätsmethoden, von denen ich in den letzten Jahren gelesen habe, auch nur eine wirklich umzusetzen. Ja, stimmt, ich habe eine komplette GTD-Ausstattung hier. Alle ist da und funktioniert. So ca. einmal im Monat fällt mir dann auch wieder ein, dass ich das Ding ja dringend mal wieder benutzen sollte. Dann setze ich mich mit schlechtem Gewissen hin und versuche mal wieder alle losen Enden zu sammeln. Ich definiere tolle, einfache nächste Schritte und schwöre mir ab sofort alles besser zu machen. Meistens schaffe ich es nicht mal zwei Tage. Projekte verlaufen einfach immer komplett anders. Fertig werden sie am Ende meistens trotzdem, irgendwie. Nicht, dass ich nichts von GTD gelernt hätte. Einige Prinzipien habe ich von ihrer Grundidee verinnerlicht und wende sie inzwischen auch instinktiv an. Aber das ganze System will bei mir einfach nicht in den Alltag rein. Dafür kenne ich die berühmte Produktivitätskrankheit nur zu gut, bei der man sich den ganzen Tag mit Blogartikeln und Tools zur Produktivitätssteigerung beschäftigt und am Ende des Tages überhaupt nichts echtes geschafft hat. Ich bin einfach so verdammt disziplinlos.

Ich frage mich langsam, ob da nicht grundlegend was schief läuft. Warum ist denn die Nachfrage nach neuen Methoden so groß? Setzen die Methoden nicht eine Schicht zu hoch an? Wieso geht mir manches ohne Probleme, ohne Motivationsschwäche und ohne vor sich her schieben von der Hand, während ich für anderes eiserne Disziplin brauche?

Update: Um das noch mal deutlicher zu formulieren: Die Idee eines Produktivitätsblogs ist für mich noch lange nicht gestorben. Sie ist derzeit nur nicht rund. Ich hätte gern ein bisschen mehr als interessantes Zeug aus den Ami-Blogs in den deutschen Kontext zu bringen. Was ich spannend finde, ist der Bedarf an Community, den ich aus den Kommentaren lese. Vielleicht kann man hier ansetzen…

Update 2: In der Seitenleiste auf der Startseite gibt’s jetzt eine kleine Umfrage, was ihr so zu dem Thema denkt.

Update 3: Auch wenn die Mehrheit der Abstimmenden Interesse an einem Produktivitätsblog hat, habe ich mich dagegen entschieden. Ein solches, eigenständiges Blog würde deutlich zuviel meiner Zeit für ein Thema in Anspruch nehmen, das mir zwar wichtig aber auch nicht das wichtigste ist.

GTD in einer Nußschale

Bin mal wieder baff. Scheinbar herrscht ein riesiges Interesse an GTD, aber auch ein großes Unverständnis, worum es sich da eigentlich genau dreht. Dieser Artikel dient dazu, das Verständnis zu vergrößern.

GTD bedeutet Getting Things Done (deutsche Version: Wie ich die Dinge geregelt kriege) und ist ein Selbstorganisations-System (nicht nur) für Wissensarbeiter. Entwickelt wurde das ganze von David Allen.

GTD ist ein System, mit dem ich all die „losen Enden“ aus meinem Kopf in ein verlässliches System bringe, um sie dann anzugehen. Lose Enden sind all die Dinge, in denen ich noch etwas unternehmen muss oder wo ich auf etwas warte.

Beispiele für lose Enden:

  • „Die Daten müssen zum Drucker.“
  • „Vielleicht könnte ich im nächsten Urlaub mal nach New York.“
  • „Der Lebenslauf auf meiner Website bräuchte mal ein Update.“
  • „Ich brauche einen Mitarbeiter.“
  • „Wenn ich das nächste Mal bei Amazon bestelle, muss ich an das neue Coldplay-Ablum denken.“

Das sind die Dinge, die uns täglich in großer Masse im Kopf herumschwirren und uns ganz besonders dann einfallen, wenn wir uns gerade auf eine Aufgabe konzentrieren wollen. Um den Kopf frei zu bekommen, müssen wir jedes (wirklich jedes) lose Ende festhalten und so speichern, dass unser Unterbewusstsein darauf vertraut, dass wir zum richtigen Zeitpunkt daran erinnert werden. Wir werden ständig mit Anfragen von außen konfrontiert. Beispiel: Ein Freund schickt eine E-Mail mit einer Einladung zu seiner Geburtstagsparty. Ich nehme die Information auf und trage mir vielleicht sogar den Termin in meinen Kalender ein. Aber an diesem Input hängt noch viel mehr (Geschenk kaufen, Termin mit Partner absprechen, …). Deswegen muss ich für jeden Input entscheiden, was es ist und was ich damit mache.

Die GTD-Grundsätze:

  1. Sammle alle Dinge, die erledigt werden müssen, in einem logischen und vertrauenswürdigen System, außerhalb deines Kopfes.
  2. Entscheide diszipliniert über jeglichen Input, den du in dein Leben lässt, damit du immer weist, was der nächste Schritt ist.

Projekte Ich habe es so häufig erlebt, dass Projekte an unterschiedlichen Erwartungen gescheitert sind oder dass überhaupt keine Erwartungen da waren. David Allen bezeichnet alles als Projekt, was länger als zwei Minuten und mehr als eine Handlung (nächster Schritt) braucht. Dazu stellt er folgende Herangehensweise vor:

  1. Beschreibe in einem Satz den gewünschten, erfolgreichen Ausgang des Problems oder der Situation.
  2. Schreibe den direkten nächsten Schritt auf, der nötig ist, um das ganze voran zu bringen.

Projektdimensionen Dabei gibt es für unsere Projekte zwei Dimensionen.

  1. Die horizontale ist der breite Blick über allen Projekten, in denen wir involviert sind.
  2. Die vertikale geht in die Tiefe der einzelnen Projekte und Situationen und der Dinge, die mit diesen zusammenhängen.

Projektworkflow (horizontal) Nun kommen wir zu einem Schlüsselelement von GTD, dem Workflow für die horizontale Dimension.

  1. Erfassen – Sammle alles, was deine Aufmerksamkeit braucht.
    • Hole alles aus deinem Kopf heraus.
    • Sammle alles in Eingangsboxen, von denen du so wenige wie möglich aber soviele wie nötig haben solltest (E-Mail-Inbox, Korb auf deinem Schreibtisch, Notizbuch, …)
    • Entleere deine Eingangsboxen regelmäßig.
  2. Durcharbeiten – Entleere die Eingangsboxen, indem du dir für alles überlegst, was es ist und was du dafür tun musst.
    • „Was ist es?“ ist eine der entscheidensten Fragen bei GTD. Erst, wenn ich weiß, mit was ich es zu tun habe, kann ich gute Entscheidungen über die Umsetzung und Herangehensweise treffen.
    • Kann ich etwas unternehmen?
      • Nein? Dann kann ich folgendes damit tun:
        • Wegschmeißen.
        • Zurückstellen bzw. ablegen in
          • meiner irgendwann mal/vielleicht-Liste
          • Wiedervorlage-System (43 Mappen: 31 Tage, 12 Monate, der morgige Tag steht immer vorne)
          • Archiv
      • Ja? Dann kann ich folgendes damit tun:
        • Was ist der nächste Schritt?
          • Er dauert weniger als zwei Minuten? Sofort erledigen.
          • Jemand anders kann das machen? Delegiere es und warte auf das Ergebnis.
          • Verschieben. Bei einem Termin in den Kalender eintragen, ansonsten auf die Liste der nächsten Schritte setzen.
          • Es ist ein Projekt, wenn es mehr als einen Schritt braucht.
            • Projekte-Hilfsmittel:
              • Projektliste
              • Sammlung von Material für Projekte
              • Terminplaner für zeitlich angesetzte nächste Schritte
              • Erinnerungsliste für die nächsten Schritte
              • Erinnerungsliste für die Dinge, auf die ich warte
  3. Organisiere die Ergebnisse – Einsortieren in Projektlisten, Warte-Listen usw.
  4. Durchsehen – Erst durch das regelmäßige Überprüfen der Listen zeigt das System Wirkung.
  5. Durchführen
    • Der nächste Schritt, der angegangen werden soll, kann nach folgenden Kriterien ausgewählt werden:
      • Zusammenhang – Wo bin ich gerade, was steht mir gerade zur Verfügung? Dafür sind die Listen wie @computer oder @supermarkt, die man häufig im Zusammenhang mit GTD sieht.
      • Verfügbare Zeit
      • Verfügbare Kraft – Einen aufwendigen nächsten Schritt, der Konzentration braucht, will ich vielleicht nicht gerade direkt nach dem Mittagessen angehen.
      • Priorität – Was ist gerade wichtig?

Diesen Workflow sollte ich so häufig wie möglich mit allen Eingangsboxen durchführen. Dadurch bleibt der Aufwand klein und es sammelt sich kein Berg an, der uns die Motivation raubt. Den Workflow findet man sehr schön zusammen gefasst in diesem Diagramm.

Wöchentliche Durchsicht::

  • Loses Papier wie Visitenkarten oder Rechnungen in der Eingangsbox sammeln.
  • Gesammelte Notizen verarbeiten.
  • Alte Kalendereinträge nach ausstehenden Schritten und Handlungen durchsuchen
  • Anstehende Termine eintragen.
  • Alle neuen Ideen, Projekte usw. aus dem Kopf holen.
  • Überprüfe die Projekteliste. Jedes Projekt sollte wenigstens einen konkreten nächsten Schritt haben.
  • Überprüfe die Liste der nächsten Schritte. Streiche alle erledigten Schritte und schaue nach Erinnerungen für nächste Schritte, die erledigten Schritten nachfolgen.
  • Überprüfe die „Wartet auf“-Liste.
  • Überprüfe jede relevante Checkliste.
  • Überprüfe die „Irgendwann/vielleicht mal-Liste auf Projekte, die aktuell geworden sind.
  • Überprüfe das unterstützende Material für laufenden Projekte nach neuen nächsten Schritten.

Vertikale Projektplanung Für die vertikale Planung von Projekten hat David Allen fünf Schritte definiert, die unserem natürlichen Organisationsverhalten entsprechen.

  1. Definiere den Zweck des Projekts -Warum mache ich das?
  2. Stell dir möglichst konkret den Ausgang des Projekts vor – Wie würde ein voller Erfolg des Projektes aussehen bzw. sich anfühlen.
  3. Sammle brainstorming-mäßig alle Ideen und Möglichkeiten – Wie kann ich den gewünschten Erfolg erreichen?
  4. Organisiere diese Ideen – Was passiert wann, wer ist beteiligt, …?
  5. Identifiziere die nächsten Schritte – Wie gehe ich das Projekt konkret an?

Das hört sich jetzt vielleicht massiv an. Wir verhalten uns aber bei vielen Dingen tatsächlich ganz natürlich so. Beispiel: Der Gedanke „Ich müsste mal wieder was mit meinem besten Freund machen.“ kommt mir in Kopf. Ich mache das nicht, um mal wieder schön essen zu gehen, sondern um in unsere Freundschaft zu investieren (Zweck). Ich überlege mir, wie cool es wäre, jemandem mal wieder ausführlich erzählen zu können, wie es mir gerade geht und was alles scheiße läuft. Vielleicht könnten wir später sogar noch zusammen beten. Das wäre genial (Projektausgang vorstellen). Also, wir könnten nen Döner essen oder doch lieber zu Starbucks oder erst nen Film bei ihm schauen oder… (Brainstorming). Also, es stehen Starbucks und Döner zu Auswahl, weil Film irgendwie doof ist. Mein Kumpel hat vor allem vormittags Zeit (Organisation). Jetzt schaue ich als erstes in meinen Kalender und rufe ihn dann direkt an, wann er Zeit und Lust hat (nächster Schritt). In den meisten Fällen läuft es doch so oder so ähnlich unbewusst in unserem Kopf ab. Dieses Prinzip gilt es einfach nur konsequent auf alles, was man macht, anzuwenden.

Was gehört zu einem GTD-System? In der Praxis sieht GTD meist sehr unterschiedlich aus. Eine komplette Implementierung besteht trotzdem aus folgenden Elementen:

  • Ein Referenz-Archiv (simpel von A – Z sortiert) für alles Material, das man nochmal brauchen könnte, derzeit aber keinem Projekt zugeordnet ist.
  • Sammlung mit unterstützendem Material für laufende Projekte
  • Ein Wiedervorlage-System (43 Folders)
  • Eine Projekt-Liste
  • „Nächste Schritte“-Listen (@computer, @aldi, …)
  • Eingangsboxen
  • Terminkalender
  • irgendwas, was ich bestimmt vergessen habe

Soweit mal die wichtigsten Prinzipien und Regeln von GTD. Ich hoffe, den meisten ist jetzt klar geworden, worum es bei GTD geht und ob es für einen persönlich interessant ist. Wer bei GTD auf ein System hofft, das ihm alle Arbeit abnimmt, hat sich das falsche System gesucht. GTD ist Arbeit, vor allem am Anfang. Aber das Ergebnis ist trotzdem weniger Stress und damit effektiveres Arbeiten mit mehr Spaß.

Dieser Artikel basiert auf diesem hier.

Achtung: Die ausführlichen GTD-Grundlagen und noch viel mehr zu GTD gibt es von mir ab jetzt fast täglich bei imgriff.com!