Roadtrip nach Austin

Heute Mittag bin ich mit Jules nach Austin gefahren. Das lustige ist, dass Austin eigentlich gar nicht geplant war. Irgendwann viel mir dann auf, dass Austin ja in der Nähe von Houston ist und ich schon verdammt viel gutes über die Stadt gehört habe (SXSW, Nr. 1 im Relevant-Ranking für coole Städte für Paarundzwanziger). Also haben wir Austin auf den Plan gesetzt. Und glücklicherweise hat mich Rob auch noch dran erinnert, dass ich hier ja Freunde habe.

roadtrip

Also, Karre gemietet und losgefahren. Houston bis Austin sind 2,5 Stunden. Wetter ist perfekt. Ca. 25° Celsius.

Austin Skyline

Hier das erste Streetart-Piece, das ich in Amerika gesehen habe.

Austin Streetart

Houston, wir sind gelandet

Es ist tatsächlich Realität geworden. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben den europäischen Kontinent verlassen und bin gestern abend in Houston gelandet. Leider zog es meine Tasche vor, die Nacht in Cincinneti zu verbringen. Aber angeblich soll sie heute morgen geliefert werden.

reisegepäck

Das Fliegen war weit weniger anstrengend als ich dachte. Normalerweise macht mich schon eine 5,5 Stunden Fahrt mit dem ICE nach Berlin wahnsinnig. Aber der 10 Stunden Flug von Frankfurt nach Cincinneti ging ganz gut rum. Von Cincinneti ging es mit einer 40-Plätze-Maschine nach Houston. Das kleinste Flugzeug, in dem ich je geflogen bin.

Auch sehr lustig war die Einreise in die USA. Der Grenzbeamte fragte mich leicht verwundert, leicht ungläubig, wieso ich zum Urlaub machen nach Texas komme. Aber ging ansonsten alles flotter als gedacht.

Houston Airport

Nun bin ich bei Ken und Becky in Houston. Gestern abend erstmal zum eingewöhnen Southern essen gegangen und dabei vergessen, dass ich mich ja in Texas befinde. Hab somit nur 1/3 meines Chicken Fried Steaks geschafft.

haus

Es ist echt verdammt cool, hier zu sein. Saucoole Leute, echte Freunde und tolle Gastgeber. Heute nachmittag geht’s (dann hoffentlich mit Tasche) nach Austin für ein paar Tage, wo ich mit Matt chillen werde. Nächsten Samstag wird’s dann ultra-amerikanisch. Ich schaue mir mit Ken und Becky ein College-Football-Spiel an.

Und da hier alle WiFi haben, verspreche ich brav soviel wie möglich zu bloggen 😉

Facial Redesign

Mein neues GesichtSchon lustig, wie kleine Umstände das Leben verändern. Eigentlich wollte ich nur eine neue Brille kaufen, weil meine alte bei einem kleinen Zusammenstoß so beschädigt wurde, dass sie kurz vor dem Auseinanderfallen war. Also, stilsicheren Freund eingepackt, die Optiker der Stadt abgeklappert und auch tatsächlich fündig geworden. Dann wurde aus dem „kurz noch die Augen vermessen“ eine größere Überraschung. Ich konnte schon die erste Reihe der Buchstabentafel kaum erkennen. Aber als ich die Brille abnahm, war plötzlich die ganze Tafel scharf und ohne Probleme lesbar. Wie sich herausstellte haben sich meine Augen so verändert, dass ich ohne die alte Brille besser sehe als mit ihr. Und mit der neuen ist die Welt so scharf wie nie zuvor. Ich habe gelobt ab sofort mindestens einmal im Jahr meine Augen zu checken und nicht wieder fünf Jahre zu warten.

1 Jahr Karlsruhe

Karlsruhe

(Bild natürlich von Martin)

Vor genau einem Jahr habe ich Darmstadt verlassen, in dem ich über 20 Jahre gewohnt habe, und bin nach Karlsruhe gezogen. Im Rückblick ist das schon spannend. Ich kannte nur Mark von ein paar Besuchen und übers Chatten besser. Ein paar Leute von Kubik hatte ich schon bei vorhergehenden Besuchen getroffen. Ich ging nach Karlsruhe, wegen einer Gemeinde. Geblieben bin ich wegen der Leute.

Das sollte man nicht falsch verstehen. Ich bin nach wie vor gerne Teil von Kubik. Aber es geht mir heute weniger um Gemeindemodelle und emerging church. Denn wie ich erwartungsgemäß schnell feststellte, sind Theorie und Praxis zwei sehr unterschiedliche Dinge. Man kann sich viele warme Gedanken machen, wie „Gemeinde in der Postmoderne“ aussieht und funktionieren kann. Sowas mit echten Menschen aus Fleisch und Blut mit Vergangenheit und Prägung zu leben ist eine ganz andere Geschichte. Und die gefällt mir inzwischen viel besser als die Theorie. Sie ist spannender, komplexer und persönlicher.

Als ich nach Karlsruhe kam erwartete ich Style und Kunst. Was ich bekam waren u.a. zwei geniale Freunde, die mit zu dem besten gehören, was mir je passiert ist. Nichts hat mich in diesem einen Jahr so wachsen lassen, wie die zahllosen Cafébesuche, Spaziergänge, Abendessen und Gebetssessions mit den beiden.

Und irgendwie ist das für mich das Zentrum von dem ganzen Gemeindeding und wie Gott sich das denkt. Wir wünschen uns Partizipation und er schenkt Freundschaft, wir diskutieren über Postmoderne und er gibt Gastfreundschaft, wir wollen Style und er bewirkt Liebe. Im letzten Jahr gab es viele engagierte Debatten über die Zukunft von Kubik, wo wir hinwollen, was die nächsten Schritte sind usw. Wir gehen steil auf Visionen und Träume und sind ständig am verbessern. Währenddessen sitzen wir im Café, genießen Andys Flammkuchen, trinken Cappuccino und verpeilen häufig, wieviel wir schon von dem leben, wovon wir eigentlich träumen. Ich meine, ich lebe hier mit meinen Freunden, wir beten und arbeiten zusammen, wir sehen unsere Kids aufwachsen und wir machen Zeug, auf das wir Bock haben. Right here right now…

Das Leben eben…

Ich spüre beim Lesen zwischen den Zeilen eine große Bandbreite an Gefühlen. Diese liegen zwischen großer Unsicherheit, manchmal Zukunftsangst und puren Glücksmomenten. Das Leben eben…

Leben ist gerade ein wichtiger Begriff für mich. Ich will es, so viel wie möglich. Ich mag leben, hier und jetzt. Nicht immer nur hinfiebern auf andere Zeiten, höhere Ziele, ein „besseres“ Leben. Und mehr und mehr checke ich, dass zum Leben auch die Unsicherheit dazu gehört. Ich fange sogar an es zu genießen, nicht genau zu wissen, was morgen kommt. Was mir Sicherheit gibt, sind meine Freunde und der wachsende, gemeinsame Versuch das Leben zu meistern.

Und manchmal passieren so pure Glücksmomente zwischen drin wie z.B. obiges Zitat zu lesen und sich verstanden zu fühlen. Es stammt von Markus Sowada und er hat damit mein Blog beschrieben. Ich kenne Markus noch nicht persönlich, aber ich mag seine Art sich vorzustellen…

Lebenszeichen aus London

Ich mach ja Umzüge eher so nebenher 😉 Deswegen bin ich seit gestern mit Denis und Björn (Miri kommt heute nach) in London. Karen Campell, eine Freundin aus dem Doxology-Team hat zu ner Art Networking-Woche eingeladen. So rennen hier jetzt ein Haufen Amis rum, ein paar Kubiker und ein paar Locals aus London. Die Gemeinsamkeit ist, dass Karen uns zusammen bringen will, weil wir von einander profitieren können. Was ich voll mag ist die Offenheit des ganzen. Es gibt keine festen Meetings oder ähnliches. Hier wird die Erkenntnis, dass die guten Gespräche eh immer beim Essen oder auf dem Weg zur Tube passieren, konsequent umgesetzt. Jeder kann sich so viel einbringen, wie er will.
Was ich mich mal wieder Frage ist, warum bei solchen Treffen immer nur Pastoren, Theologen, Seelsorger und sonstige christliche Experten mittleren Alters auftauchen. Fühle mich da immer irgendwie fehl am Platz. Würde gerne mal mehr Leute treffen, mit denen ich erst über Banksys letzte Installation diskutieren kann, dann über Zigarillo-Vorlieben, dann über Freelancing, dazwischen über die Spiritualität des Espresso-Genußes, meine Konsumwut, Bio-Essen und das Herzensgebet. Irgendwo sollte auch noch ein bisschen was von der Wissensgesellschaft, dem Dangerdoom-Album und meinem Kampf mit meiner Selbstzentriertheit vorkommen. Halt übers Leben reden, weisch? Emerging/Simple/Organic-Church-Diskussionen sind ja sowas von 2005…

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