Links für KW 50/2017

  • Re-reading Pierre Wack on scenarios von Andrew Curry: „In his time developing the work of the scenarios team at Shell, Pierre Wack made a huge contribution to how we think about scenarios and futures. But it is still not fully understood.“
  • Langzeitstudie: Die Zukunft deiner Kinder von 2b Ahead „lässt die Zukunft der kommenden 100 Jahre schon jetzt lebendig werden: Wir erzählen jedes Jahr 20 Zukunftsgeschichten – zwei pro Kind – in denen wir an der Seite von zehn real existierenden Kindern, die im Jahr 2015 geboren wurden, mögliche Lebenswege beschreiten.“
  • Speculative Humanitarian Futures – Die Freunde von Changeist mit einem großartigen Foresight-Projekt, das insbesondere Artefakte sehr gekonnt einsetzt.
  • Lee Vinsel mit einem umfassenden Rant gegen Design Thinking, bei dem der Titel zu hart, der erste Teil amüsierend und der zweite Teil zur „Innovation Delusion“ in der Bildung hochgradig interessant ist.
  • Nach diesem Buzzfeed-Artikel habe ich es selbst probiert und siehe da: Ich kann ohne Probleme Podcasts mit doppelter Geschwindigkeit hören, wenn ich Kopfhörer aufhabe und sie sauber produziert sind.
  • Debbie Urbanski „backcastet“ vom Zeitpunkt, an dem die Menschheit ausstirbt.

Von der Netzneutralität zur neuen Netzrealität

Das Ende der Netzneutralität in den USA ist auch das Ende des Mythos vom utopischen Internet (frei und offen). Was nun?

[…] now is a great moment to engage with some of the work in media studies, STS, and the history of technology that has trained a critical eye on the history of the Internet and the way in which it actually functions. Try to look beyond the popular press hagiographies and instead consider the works that have never bought into the popular myths that frame the Internet as an inherently benevolent force. Unfortunately, we can say many things about our present technological impasse – but we can’t say that we weren’t warned.

Link: From Net Neutrality to the Net’s New Reality

Die „Initiative“ in Schweden und Metamoderna

Masha Gessen hat sich in Schweden die Entstehung der neuen Partei „Die Initiative“ angesehen. Sie startet ohne Programm, aber mit zwei Listen. Eine Liste mit Werten: „courage, openness, compassion, optimism, co-creation, and actionability“ und eine Liste mit gesellschaftlichen Krisen: „the crisis of faith in democracy, the environmental crisis, and the crisis of mental health“. Alle weiteren Details der Partei sollen in landesweiten Workshops entstehen.

Hanzi Freinacht und Metamoderna

Philosophical inspiration for the project came from the work of Emil Ejner Friis and Daniel Görtz, who together created Hanzi Freinacht, an imaginary “philosopher, historian, and sociologist” who lives in seclusion in the Swiss Alps. Freinacht blogs at metamoderna.org, where he puts forward ideas of a society based on the principles of metamodernism, a school of thought that purports to succeed postmodernism. Metamodernism combines the hope of modernism with the critique of postmodernism. It is both questioning and visionary, and it believes in the future. Most important, Freinacht writes, a metamodern politics moves beyond liberal ideas toward shared responsibility for maximizing the happiness and health of everyone in the world. Welfare, in metamodern politics, must not merely guarantee material well-being and physical health but also “a listening society, where every person is seen and heard.”

Link: The Invention of a New Kind of Political Party in Sweden

Hoffnung ist eben nicht Optimismus 

„Je ungünstiger die Situation ist, in der wir unsere Hoffnung bewähren, desto tiefer ist diese Hoffnung. Hoffnung ist eben nicht Optimismus. Es ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht. Sondern Hoffnung ist die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“

– Václav Havel, zitiert von Heribert Prantl

Heute ist ein guter Tag, um …

  • einer Partei beizutreten
  • zu einer Demo/Aktion gegen Rechts gehen
  • migrantische, queere, POC-supportenden Initiativen, Projekte und Stimmen zu unterstützten
  • mal wieder das Grundgesetz zu lesen
  • sich als Förderer und Mentor für junge Menschen zu engagieren
  • eine Wochenzeitung zu abonnieren, gedruckt oder digital und Correctiv-Mitglied zu werden
  • einen YouTube-Kanal über Politik oder ein soziales Thema anzufangen
  • sich eine*n Politiker*in zu suchen, die/den man richtig gut findet und die nächsten Jahre aktiv unterstützt
  • sich wieder aktiver mit der deutschen Geschichte zu beschäftigen und z.B. bei nächster Gelegenheit die Gedenkstätte für den deutschen Widerstand in Berlin besuchen
  • Verantwortung zu übernehmen

Wir haben mit Was Machen die letzten Monate viele weitere Möglichkeiten zusammengetragen.

Hilfen zur Wahlentscheidung bei der Bundestagswahl

Umschlag mit Briefwahl zur Bundestagswahl 2017

Mein ganzes Umfeld scheint sich schwer zu tun mit der Wahlentscheidung für die Bundestagswahl. Laut den Umfragen sind sie damit nicht allein: um die 46 Prozent geben an, sich noch nicht endgültig entschieden zu haben. Mir geht’s diesmal anders. Vielleicht liegt das an meiner Arbeit mit Was Machen, durch die ich mich in den letzten Monaten noch mal intensiver mit politischem Engagement beschäftigt habe. Vielleicht hat auch das Abo einer Wochenzeitung dazu beigetragen, dass ich seit einem Jahr noch näher an den Themen dran bin. Zugegebenermaßen habe ich mich schon immer recht intensiv für Politik interessiert. Wie auch immer, mir fiel’s diesmal recht einfach meine Stimme abzugeben (ich habe bereits per Brief gewählt).

Meine Empfehlung an die Unentschiedenen: Es sind noch knapp drei Wochen bis zur Bundestagswahl. Das ist noch ne Menge Zeit, um viel zu lesen, mehr über die Direktkandidaten im eigenen Wahlkreis herauszufinden, eine Liste der eigenen Top-Themen zu machen und sie mit den Wahlprogrammen zu vergleichen, Wahlkampfveranstaltungen verschiedener Parteien zu besuchen, Wahl-O-Maten und andere hilfreiche Tools auszuprobieren. Und dann am besten nach der Bundestagswahl gar nicht erst wieder damit aufhören. Auf das bei der nächsten Wahl kein Wahl-O-Mat mehr nötig ist…

Übrigens, ich habe ein paar Freunde gefragt, die sich dieses Jahr auch mehr engagiert haben, ob sie sich mit der Wahlentscheidung schwer tun. Alle haben es verneint. Wenn ich meine Gedanken reflektiere, merke ich, dass die Beschäftigung mit den Engagementsmöglichkeiten dazu geführt hat, dass ich mehr Möglichkeiten denn je sehe, etwas zu verändern und zu beeinflussen. Dadurch verkleinert sich die empfundene Lücke zwischen dem eigenen Alltag und dem Politikbetrieb merklich. Der Nebeneffekt ist, dass ich heute weniger zynisch bin – Engagement als Selbstschutz. Denn auch in der Politik gilt für mich die Aussage von Maria Popova:

„Kritisches Denken ohne Hoffnung ist Zynismus. Hoffnung ohne kritisches Denken ist Naivität.“

 

New Work ist andauerndes Neuland

Vor zwei Wochen durfte ich mir eine Diskussionsrunde zum Thema New Work in Hamburg ansehen. Während ich der Konversation lauschte, fielen mir zwei Punkte auf, die sich für mich wie ein roter Faden durch fast alle Bereiche der digitalen Transformation ziehen:

  1. Die Diskutierenden tauschten sich locker über ihre Erfahrungen aus. Dabei fielen ständig Sätze wie „Wir probieren gerade das aus.“ „Ah, da haben wir vor einem halben Jahr mit experimentiert. Dadurch sind wir gerade an diesem anderen Punkt.“ usw. Schnell wurde klar, dass wenn sie sich in drei Monaten wieder treffen würden, sie wieder neue Erfahrungen auszutauschen hätten. Neue Arbeitsformen sind keine Konzepte, die man einmal findet und dann auf Dauer eingeführt hat. Vielmehr ist New Work ein konstanter Prozess, in dem das Ausprobieren und Anpassen nie aufhört – andauerndes Neuland eben.
  2. Hier tat sich auch ein großer Graben zwischen den erfahrenen New Workern auf der Bühne und dem interessierten, aber unerfahrenen Publikum auf, das immer wieder nach der richtigen Lösung fragte und immer nur einen Zwischenstand als Antwort bekam. Man merkt den meisten Menschen fast sofort an, wenn sie nur die Theorie von New Work kennen. Das Vokabular (agil, Holocracy, Fehlerkultur usw.) beherrschen sie schon. Aber die Art, wie sie darüber reden zeigt, dass sie noch keine praktischen Erfahrungen gesammelt haben.

Deswegen hoffe ich, dass das Publikum aus dieser Diskussionsrunde das gleiche mitgenommen hat, was wir unseren Kunden auch immer raten: einen Tanker lenkt man am einfachsten, wenn er in Bewegung ist.